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Prof. Hans-Werner Sinn:

Griechenland wird Euro-Zone verlassen!

Mittwoch, 08 Juli 2015 18:59 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
Prof. Dr. Hans-Werner Sinn Prof. Dr. Hans-Werner Sinn

München - Nach einem Interview der „Welt“ gegenüber steht für den renommierten Ökonomen, Ifo-Chef Hans-Werner Sinn, fest, daß Griechenland gar keine andere Wahl habe, als den Euro zugunsten einer eigenen Nationalwährung aufzugeben, wobei Sinn ein erstes schwieriges Jahr voraussagt, jedoch dadurch absehbar eine Chance zur wirtschaftlichen Gesundung sieht. Der erfahrene Volkswirt geht davon aus, daß die Euro-Länder nicht ausreichend schnell vor der Zahlungsunfähigkeit Griechenlands ihre Parlamente mit dem Sachverhalt befassen werden, wodurch die Einführung einer eigenen Währung alternativlos wird. Die Vergabe weiterer ELA-Kredite durch die EZB ist aufgrund der Feststellung des EFSF, daß Griechenland nicht mehr solvent ist, nicht länger zulässig, und dürfte ihr baldiges Ende finden. Laut Sinn fiel die EZB mit ihrem Handeln längst den Verhandlungsführern mit Griechenland in den Rücken.

Die griechischen Banken dürften ohne Einführung der Drachme vorerst weiter geschlossen bleiben, es sei denn, es käme sehr schnell zu einem dritten Rettungspaket für Griechenland. Der ifo-Chef warnte angesichts reihenweise nicht abgefertigter Schiffe in griechischen Häfen, weil die griechischen Geschäftspartner nicht mehr zahlungsfähig seien, vor in Kürze drohenden Versorgungsengpässen und befürchtet sogar Szenarien vergleichbar zur seinerzeitigen Staatspleite Argentiniens, inklusive der tagelang andauernden Straßenschlachten und Plünderungen, sollte der Ausweg in Richtung einer eigenen Währung nicht beschritten werden. Eine solche Umstellung wäre nach Sinns Ansicht ggf. sogar binnen eines Wochenendes durchführbar. Auch in Argentinien konnte die Situation allein mittels einer Währungsabwertung in den Griff bekommen werden.

Die knapp 90 Milliarden Euro, die zuungunsten Deutschlands in der Kreide stehen, sieht der Wirtschaftsprofessor ohnehin längst verloren, völlig unabhängig von der Frage, ob nun ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone erfolge oder nicht. Im Gegenteil erkennt Sinn in einem Austritt noch die verbleibende Chance für die Gläubigerstaaten, vielleicht doch noch etwas von den Geldern wiederzusehen, da lediglich eine mit diesem verbundene Abwertung für Griechenland den Exportüberschuss erzeugen kann, mit dem die Kredite zurückgezahlt werden könnten. Andernfalls wäre keine Abkehr vom Importüberschuß realisierbar, wodurch ein weiteres Ansteigen der Kreditsumme, selbst unter Absehung von den Zinsbelastungen, geradezu zwangsläufigen Charakter annähme.

Kaum weniger problematisch betrachtet Sinn die Lage in Portugal, Spanien oder auch Italien, wo für die Wiedererlangung der Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder ein Absinken von Löhnen und Preisen geboten ist. Alternativ zu dieser sozialpolitischen Brisanz böte sich auch dort, einzig der Austritt aus dem Euro als Alternative an. - Ein Scheitern des währungspolitischen Experiments Euro kann seriös wohl niemand zur Gänze ausschließen.

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