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Gefahr der Transferunion

Hanno Beck warnt vor der Entstehung von Preisblasen

Mittwoch, 01 Oktober 2014 22:43 geschrieben von  Torsten Müller
Hanno Beck - Eurokrise nur kaschiert Hanno Beck - Eurokrise nur kaschiert Quelle: http://youtu.be/cs2zWOphL8U

Magdeburg - Der Volkswirt Hanno Beck hat gegenüber der „Wirtschaftswoche“ in einem Interview bekräftigt, dass er die aktuelle Politik des billigen Geldes für falsch halte. Sie könne fatale Folgen haben. Schon jetzt seien in vielen Bereichen Preisblasen entstanden.

Er spricht sich auch gegen weitere Konjunkturprogramme aus, weil die europäischen Staaten keine konjunkturellen, sondern strukturelle Probleme haben. Er befürchtet, dass die Fortsetzung der Politik des billigen Geldes zu Fehlinvestitionen führen könne, die in der Folge wiederum auf große volkswirtschaftliche Schäden hinauslaufen würden. Dies untermauert er mit dem Beispiel Spanien: „Es wurden Investments getätigt, die man bei normalen Zinsen nicht umgesetzt hätte. Heute stehen an Spaniens Küsten unzählige Bauruinen und es ist nachhaltig nicht ein Arbeitsplatz entstanden.“

Besonders kritisch sieht Beck die im Entstehen begriffene Transferunion, die verhindere, dass die Staaten eigenverantwortlich handeln. Sie haben kein Interesse am Sparen, weil sie sich sicher sein können, dass irgendein Dummer schon die Rechnung begleichen wird. So stellt er fest: „Der deutsche Steuerzahler haftet schon heute für Missmanagement der anderen Unionsmitglieder.“

Auch die Politik der Europäischen Zentralbank hält er nicht für nachhaltig. Durch die seien zahlreiche Preisblasen entstanden, weil die Bürger, die Ersparnisse haben, zunehmend in Sach- und Vermögenswerte flüchten. Über die Folgen solcher Blasen findet er drastische Worte: „Die Verlierer sind noch nicht ausgemacht. Denn die Frage ist, wie weit sich die Blase noch aufbaut, bis sie platzt. Wenn Sie platzt, wird viel Geld vernichtet. Und die Verteilungswirkungen einer solchen Blase sind kaum kalkulierbar; zudem ist das eine äußerst undemokratische Veranstaltung.“

Beck vertritt die Auffassung, dass die logische Folge der aktuellen Politik ein Crash sein wird, durch den viel Geld vernichtet werden wird: „Ich möchte kein Crashprophet sein, aber ich sehe kein Investment, keine Rettung, keine Hoffnung, dass wir den Kosten dieser Krise entkommen.“

Der Ökonom sagt aber auch klar, was getan werden muss, um die Krise zumindest einzudämmen. Er fordert mehr Eigenverantwortung. Eine gemeinsame Haftung für Staatsschulden dürfe es nicht geben. Außerdem macht er sich für einen Rahmen stark, in dem Staaten und Banken pleite gehen können, ohne dass der ganze Kontinent in den Sog gezogen wird.

Die Alternative zu dem, was Beck vorschlägt, ist das, was derzeit gemacht wird: Geld drucken, Preisblasen erzeugen, auf Krisen mit noch billigerem Geld reagieren, Schulden anhäufen und hoffen, dass es eines Tages jemand anderen trifft, der die Zeche bezahlen muss.

Letzte Änderung am Mittwoch, 01 Oktober 2014 22:51
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