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Deutsche Bank AG - Frankfurt:

Hauptversammlung der Deutsche Bank AG gleicht Anklageverlesung

Freitag, 22 Mai 2015 21:15 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
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Frankfurt am Main - Die seit geraumer Zeit skandalgebeutelte und bald chronisch im Krisenmodus befindliche Deutsche Bank führte am Donnerstag, den 21.05. in der Festhalle Frankfurt ihre Hauptversammlung durch, die in weiten Teilen ihres Verlaufs einer Anklageverlesung glich. Bereits im Vorfeld hatten mehrere Fonds und Aktionärsberater die Empfehlung ausgesprochen, dem Vorstand keine Entlastung zu erteilen und nicht mit Kritik an der Unternehmenspolitik gespart. So zum Beispiel die Sprecher von Hermes EOS, Union Investment, Galss, Lewis & Co oder Institutional Shareholder Services (ISS). Nicht einmal personelle Debatten blieben ausgeklammert. Starker Kritik sieht sich die internationale Großbank aber auch seitens der Kleinaktionäre ausgesetzt, die mit einem „squeeze-out“ im Rahmen des Rückzugs aus dem Postbankgeschäft des Instituts konfrontiert sind. Es kam bei der Hauptversammlung auch nicht zu einer zumeist üblichen nahezu einstimmigen Vorstandsentlastung, sondern zu bezeichnenden 39 % Gegenstimmen, welche die Entlastung verweigern wollten. Die kurz vor der Hauptversammlung vorgenommene - mehr als lediglich kosmetischer Eingriff wahrgenommene – Veränderung auf der Vorstandsebene ließ keine stimmungsaufhellende Wirkung beim Aktionärstreffen verspüren.

Hermes EOS-Manager Hans-Christoph Hirt forderte einen weiterführenden Vorstandsumbau, der - so Hirt wörtlich - „über das Stühlerücken hinausgeht“. Das Vorsitzendenduo Jain und Fitschen dürften sich vermutlich hiervon direkt adressiert fühlen. Der Aktionärsberater bezweifelt, daß die Bank ihre Ziele der sogenannten „Strategie 2020“ erreichen wird. Wie ebenfalls zu vernehmen war, wurde es als wenig stilvoll seitens der meisten Anwesenden empfunden, daß die zahlreichen Aktionärsfragen hinsichtlich der von der Bank zu leistenden Strafzahlungen und die Verantwortung hierfür, nicht von Jain selbst, sondern ausschließlich von dessen Vorstandskollegen beantwortet wurden. Anju Jain selbst verließ zudem auffällig häufig für längere Zeit das Podium. Es ist auch schwerlich unter den Tisch zu kehren, daß die Deutsche Bank allein binnen der letzten drei Jahre eine um 200 Mio. € größere Summe für Strafzahlungen und Rechtskosten - immerhin 8,7 Mrd. € - ausgegeben hat, als die Kapitalerhöhung vom Mai 2014 ausmachte.

Der angekündigte Kulturwandel stellt sich bislang nach wie vor so dar, daß auch 2014 die Spitzeninvestmentbanker des Instituts deutlich mehr als das Doppelte verdienten, als die eine Milliarde, die den in etwa 600.000 Aktionären verblieb. Bis 2020 ist anvisiert, die operativen Kosten um 3,5 Mrd. € zu senken, wovon 60 % durch Effizienzsteigerungen mittels Investitionen von rund einer Milliarde Euro in den Ausbau der Digitalisierung erzielt werden sollen und 40 % durch die Schließung von etwa 200 Niederlassungen bis 2017. Abweichend zum Chor der kritischen Töne erhielt die Bank Rückenwind vom Großinvestor Blackrock, der zusammen mit Paramount aus Katar ca. 15 % der Anteile hält.

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