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Trotz Corona-Krise gute Aussichten für die Dorint-Hotelgruppe

Honestis AG ist Mutterkonzern der Dorint Hotels: Top-Manager Dirk Iserlohe ist gefragter Interviewpartner

Dienstag, 16 Juni 2020 22:09 geschrieben von 
Dirk Iserlohe (rechts im Bild mit grünem Einstecktuch) bei einer Wohltätigkeitsaktion in Köln Dirk Iserlohe (rechts im Bild mit grünem Einstecktuch) bei einer Wohltätigkeitsaktion in Köln Quelle: Facebook

Köln – Wenn Unternehmer ausnahmsweise einmal in die quotenstarken Talkrunden des öffentlich-rechtlichen Fernsehens eingeladen werden, müssen sie wirklich etwas zu sagen haben und auf eine erfolgreiche Berufsbiografie zurückblicken können. So überraschte es nicht, dass für die „Hart aber fair“-Sendung am 15. Juni 2020 zum Thema „Der Sommer der Entspannung – kann man das Virus erstmal vergessen?“ auch Dirk Iserlohe eingeladen war. Moderator Frank Plasberg wollte mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Dorint GmbH über die langsame Normalisierung des Wirtschaftslebens in Urlaubszeiten sprechen. Kneipen, Restaurants und Hotels füllen sich wieder, und Schulen und Kitas üben den Normalbetrieb. Plasberg fragte deshalb: „Gibt uns der Sommer coronafrei? Was geht alles, was noch nicht? Und kommt statt der zweiten Viruswelle jetzt die erste Reisewelle?“ Iserlohe sollte als erfahrener Hotelmanager zusammen mit den Bundestagsabgeordneten Karl Lauterbach (SPD) und Wolfgang Kubicki (FDP) sowie einer Wissenschaftsredakteurin, einemPsychologen und einer Verbraucherschützerin über die Folgen des anlaufenden Tourismus unter Corona-Bedingungen diskutieren. Aus unbekannten Gründen war der Aufsichtsratschef der Dorint-Hotelgruppe und CEO ihres Mutterkonzerns Honestis dann doch kein Studiogast von Plasberg.

 

Über fehlendes Medieninteresse kann sich der 1964 in Düsseldorf geborene Unternehmer trotzdem nicht beschweren. Das ist der Tatsache geschuldet, dass Iserlohe viel schneller als andere auf die Corona-Krise reagiert hat. Der Inhaber der Kölner Dorint-Gruppe mit 63 Häusern und etwa 4.500 Beschäftigten in Deutschland, der Schweiz und Österreich bot beispielsweise Zimmer für Homeoffice-„Flüchtige“ mit Frühstück und Lunch ab 59 Euro pro Tag an. Das sei an einigen Standorten auch gut angenommen worden, sagte er der Tageszeitung „Die Welt“. Doch am 19. März verfügten die Behörden am Kölner Firmensitz die Schließung aller drei örtlichen Dorint-Hotels. Nachdem das Unternehmen vor dem Verwaltungsgericht eine Lockerung der Bestimmungen eingeklagt hatte, hob die Stadt Köln ihre wirtschaftsfeindliche Verordnung wieder auf. Sehr frühzeitig setzte Iserlohe auch auf maximale Desinfektion der Zimmer, Spuckschutz an der Rezeption, Mundschutz bei Mitarbeitern und allgemeine physische Kontaktlosigkeit.

Doch was dann geschah, sei einer „Katastrophe“ gleichgekommen, sagt der erfahrene Manager, der, wie „Die Welt“ im April dieses Jahres schrieb, die „Dorint-Gruppe gerade erst in einem mühsamen Sanierungsprozess bis 2015 wieder fit für den Markt gemacht“ hatte. „Im Vorjahr gab es 4,5 Millionen Euro Gewinn, das Eigenkapital des Dorint-Konzerns lag Ende 2019 bei 79 Millionen Euro.“ Nun aber müssten er und seine Partner für die Mitarbeiter erst einmal Kurzarbeit anmelden, um die Arbeitsplätze zu sichern. Der Aufsichtsratschef der Dorint-Gruppe und alleinige Vorstand der Honestis AG als Dorint-Muttergesellschaft klagte: „Wir bei Dorint waren für 2020 auf einen hören Gewinn als 2019 eingestellt, aber wie soll das ohne Umsätze mit unvermeidbaren Fixkosten funktionieren?“

Wenn völlig unverschuldet hohe Umsatzerwartungen gegenstandslos werden, ist das selbst für gestandene Unternehmerpersönlichkeiten wie Dirk Iserlohe ein schwerer Schlag. Der absolvierte nach dem Abitur eine Bankausbildung und studierte parallel an der FH Mainz mit dem Abschluss Diplom-Kaufmann. Nach einer ersten Beschäftigung bei der Nassauer Sparkasse wurde er 1995 geschäftsführender Gesellschafter des Emissionshauses Ebertz & Partner in Köln, zu dem auch die Dorint Hotelgesellschaft gehörte. 2006 entstand die „Neue Dorint GmbH“ mit damals 41 Hotels. Zwei Jahre später avancierte Iserlohe zum geschäftsführenden Mehrheitsgesellschafter der E & P Holding GmbH & Co. KG und ist seitdem im Aufsichtsrat der heutigen Dorint GmbH. Vor vier Jahren gründete der Immobilien-Profi zusammen mit Investoren die Honestis AG mit den Unternehmenssparten „Real Estate“ und „Hospitality“. Seit Januar 2017 ist er alleiniger Vorstand dieser in Köln ansässigen Finanzholding und wurde am 27. Juni 2019 zum Vorsitzenden des Dorint-Aufsichtsrates gewählt.

Seit mehr als 60 Jahren ist die Qualitätsmarke „Dorint Hotels & Resorts“ auf dem deutschen Hotelmarkt präsent und erfreut sich großer Beliebtheit. Im letzten Jahr wurden unter der DHI Dorint Hospitality & Innovation GmbH zusätzlich zur bestehenden Traditionsmarke die „Hommage Luxury Hotels Collection“ (vier Fünf-Sterne-Hotels) und die Mittelklasse-Marke „Essential by Dorint“ aus der Taufe gehoben. Seit der erfolgreichen Sanierung und Konsolidierung der Dorint GmbH und der Gründung der Honestis AG verfolgte die Hotelgruppe eine Strategie des kontrollierten Wachstums. Die Weiterentwicklung der DHI geschah schwerpunktmäßig im sogenannten Vier-Sterne-Full-Service-Segment. Nachdem zum 60. Jubiläum mit dem Dorint-Hotel Nürnberg die angestrebten 60 Hotels tatsächlich im Portfolio waren, sollte das Wachstum aller drei Marken im deutschsprachigen Markt kontinuierlich fortgesetzt werden. Im Fokus standen dabei Pacht- und Franchise-Verträge, aber auch Management-Verträge wurden nicht ausgeschlossen. Zu den Wunsch-Standorten der Dorint-Developer gehörten vor allem Metropolen wie Berlin, Hamburg, München und Wien.Hinzu sollten Projekte an Sekundärstandorten und in beliebten Ferien-Destinationen an der Nord- und Ostsee sowie in Österreich kommen. „Die Dorint Hotels & Resorts werden in den Kernmärkten zum führenden Anbieter im Full-Service-Bereich für Geschäftsreisende, ohne die Zielgruppe der Individualurlauber zu vernachlässigen“, erklärten unisono Geschäftsführung und Aufsichtsrat. Dorint werde ein Full-Service-Anbieter „mit höchster Service- und Personalqualität zu fairen Bedingungen“.

Die Corona-Krise hat diese ehrgeizigen Pläne erst einmal gestoppt und alle Wachstumsprognosen über den Haufen geworfen. Aber Dirk Iserlohe ist ja „krisenerprobt“, wie die „Süddeutsche Zeitung“ im März feststellte. Sie wollte von ihm wissen, wie sich die gegenwärtige Lage im Vergleich zur Finanzkrise 2008/2009 darstelle. Der Hotel-Profi sagte: „Es gibt zum Glück einen Unterschied: Diese Krise ist von außen gekommen, nicht wegen Fehlern von innen. Bis Ende Februar liefen unsere Geschäfte über Plan. Wir hatten die Aussicht auf einen steigenden Gewinn in diesem Jahr. Deshalb glaube ich: Mit Solidarität und der richtigen Hilfe der Politik können wir die Krise überwinden.“ Für die Dorint-Gruppe bestehe auch deshalb keine Insolvenzgefahr, weil man im vergangenen Jahr zusätzliches Eigenkapital von zehn Millionen Euro aufgenommen habe, „sodass wir ein Eigenkapital von 77 Millionen Euro in der Bilanz haben und somit nicht überschuldet sein werden“.

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