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„Wir wollen das Amazon für Immobilien werden“

Immobilien-Crowdinvesting: 2018 war erfolgreichstes Jahr für Exporo AG von Simon Brunke und Dr. Björn Maronde

Dienstag, 29 Januar 2019 03:42 geschrieben von 
Exporo-Mitgründer und Vorstandschef Simon Brunke Exporo-Mitgründer und Vorstandschef Simon Brunke

Hamburg – 2014 gründeten Simon Brunke, Dr. Björn Maronde, Julian Oertzen und Tim Bütecke die Crowdinvesting-Plattform Exporo, die heute der erfolgreichste deutsche Online-Marktplatz für die Finanzierung von Immobilienprojekten ist. Die Idee ist schnell erklärt: Immer mehr innovative Projektträger suchen wegen der restriktiven Kreditvergabe von Banken nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten. Gleichzeitig halten Investoren angesichts des kapitalvernichtenden Niedrigzinsumfeldes nach renditeträchtigen Anlageformen Ausschau. Die einen wollen Investitionskapital in die Hände bekommen und die anderen ebendieses bereitstellen. Was liegt da näher als die Schaffung einer professionellen Plattform, die Geldgeber und -nehmer zur Realisierung einträglicher Immobilienvorhaben zum beiderseitigen Nutzen zusammenbringt?

Mitgründer und Vorstandschef Simon Brunke beschreibt die Initialzündung so: Mitte des Jahres 2013 wurde er von einem Bekannten aus der boomenden Immobilienbranche angesprochen. Einer seiner Geschäftspartner wolle in der Drosselstraße im aufstrebenden Hamburger Stadtteil Barmbek ein großes Wohnhaus bauen, verfüge aber gerade nicht über die veranschlagten Investitionsmittel in Höhe von etwa 1,2 Millionen Euro. Brunke wurde gefragt, ob er nicht eine zündende Idee habe. Und die hatte er. Gemeinsam mit einem Freund, der sich bestens im Online-Geschäft auskennt, schaltete er Internet-Anzeigen mit dem Wortlaut: „Einfach und direkt investieren – Sechs Prozent Zinsen, zwei Jahre Laufzeit.“ Nach nicht einmal sechs Monaten hatten sie die 1,2 Millionen Euro zur Realisierung des ehrgeizigen Bauvorhabens zusammen, und die Geschäftsidee war geboren. Die Exporo AG startete offiziell als eine Art Vermittlungsagentur für digitale Immobilieninvestments.

Laut Brunke und seinen Mitgründern gelang der Durchbruch, als sich mit e.ventures einer der weltweit größten Risikokapitalgeber meldete und mit drei weiteren Investoren zunächst acht Millionen Euro in den Crowdinvesting-Anbieter investierte. Mit mehr Personalkraft und Marketingreichweite konnte das Start-up nun Kleinanlegern zahlreiche Möglichkeiten bieten, in Bauprojekte als besondere Anlageklasse zu investieren. Beim Crowdinvesting schließen sich ja meist Mikroinvestoren zu einer Investorengemeinschaft zusammen, um konkrete Projekte zu finanzieren und von guten Zinszahlungen der Projektträger zu profitieren. Inzwischen machen Immobilien mehr als 80 Prozent des ganzen Crowdinvesting-Marktes aus. Simon Brunke beschreibt das eigene Geschäftsmodell kurz und bündig so: „Wir geben jedem Anleger die Möglichkeit, sich über unsere Online-Plattform schon mit kleinem Geld an Immobilienprojekten zu beteiligen und demokratisieren damit den Immobilienmarkt. Bisher hatten nur institutionelle Investoren und Anleger mit viel Geld, Zeit und Fachwissen an Immobilien verdient. Jetzt haben auch Kleinanleger die Chance.“Privatinvestoren werden zwei verwandte Anlagekategorien angeboten: Bei „Exporo Bestand“ steigt man mit einer Anlagesumme ab 1.000 Euro in lukrative Bestandsimmobilien ein, und bei „Exporo Finanzierung“ kann man ab 500 Euro kurzfristig in gut verzinste Immobilienprojekte investieren. Seit 2014 haben die Schwarmfinanzierer aus der Hamburger HafenCity 170 Immobilienprojekte gestemmt und dafür mehr als 312 Millionen Euro Investitionskapital vermittelt. Mehr als 97 Millionen Euro wurden nach eigenen Angaben bereits an die Anleger zurückgezahlt.

Dieser Erfolg spiegelt sich auch in den Zahlen für das Geschäftsjahr 2018 wider, das das erfolgreichste in der Firmengeschichte war. So wurden im vergangenen Jahr mehr als 173 Millionen Euro Kapital vermittelt  –davon allein im Dezember über 22 Millionen Euro mit einem Tagesspitzenwert von 4,15 Millionen Euro. Anleger konnten auf der Plattform in 73 unterschiedliche Immobilienprojekte investieren. Mit einer Rückzahlungsquote von 100 Prozent wurden allein 2018 mehr als 71 Millionen Euro an die Anleger ausgezahlt. Bei sechs Projekten geschah das sogar vor dem ursprünglich vereinbarten Termin. Um ihre Marktführerschaft auszubauen, will die Exporo AG im laufenden Jahr weitere 40 Spezialisten einstellen und ihr Team auf 160 Mitarbeiter erweitern. Ein Drittel dieser Neuzugänge wird sich um die Akquise, die Ankaufsprüfung und das Asset-Management von Bestandsimmobilien kümmern. Auch Kundenservice wird weiterhin großgeschrieben. Durch Aufstockung des Teams für Customer Management soll sichergestellt werden, dass jeder Kunde seinen persönlichen Ansprechpartner hat. Mit der vergrößerten Mannschaft kann auch die Internationalisierung des Geschäfts in Angriff genommen werden. Mit dem Aufbau einer Plattform, auf der sich Anleger ein europäisches Immobilienportfolio zusammenstellen können, sollen bis Ende 2023 europaweit eine Million Kapitalanleger gewonnen werden.

Zu den Plänen für dieses Jahr teilt die Geschäftsführung mit: „Exporo tätigte bereits mehrere Objektankäufe mit einem Volumen von insgesamt ca. 60 Millionen Euro und initiierte mit diesen Bestandsimmobilien Anfang 2018 eine Innovation auf dem deutschen Immobilieninvestmentmarkt: Bereits 4.000 Kapitalanleger haben mit einer Anlagesumme ab 1.000 Euro online in diese Bestandsimmobilien investiert und profitieren wie ein Eigentümer von Immobilien als Kapitalanlage – allerdings ohne die typischen Aufwendungen und Probleme eines Immobilienbesitzers. 2019 plant Exporo rund 30 weitere Objekte mit einem Asset-Volumen von zusammen etwa 300 Millionen Euro anzukaufen, denn Immobilien bleiben die beliebteste Geldanlage der Bundesbürger, und digitale und transparente Investments in einzelne Immobilienprojekte finden immer mehr Zuspruch. Das hat eine Online-Umfrage unter 1.000 Bundesbürgern ergeben, die Exporo Ende 2018 durchführte.“

2017 zitierte eine große deutsche Wochenzeitung Simon Brunke mit dem Satz: „Auch wenn das jetzt sehr ambitioniert klingt – wir wollen das Amazon für Immobilien werden.“ Auch mit den Erfolgszahlen von 2018 ist man davon noch ein ganzes Stück entfernt. Aber wie sagte doch Konfuzius: „Auch der weiteste Weg beginnt mit einem ersten Schritt.“ Den ersten Schritt haben die Exporo-Leute schon vor Jahren getan.

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