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Bankenkrise in Europa gebannt?

In Portugal und Bulgarien brodelt die Finanzmarktkrise weiter

Mittwoch, 13 August 2014 17:30 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
In Portugal und Bulgarien brodelt die Finanzmarktkrise weiter Quelle: bes.pt

Frankfurt am Main - Noch vor einigen Wochen wäre der Banco Espirito Santo (BES) eine zufriedenstellende Analyse ausgestellt worden und immerhin sind EZB-Prüfer auch am portugiesischen Bankenmarkt zu Werke, die Bücher zu sichten, ohne daß jedoch die Alarmglocken zu vernehmen gewesen wären. Stets werden die Probleme erst dann sichtbar, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist. Und selbst als die BES-Krise geradezu im sprichwörtlichen Sinne virulent zu werden drohte, spielte der portugiesische Ministerpräsident Pedro Passos Coelho die Problematik noch herunter, indem er behauptete, das angeschlagene Institut habe ausreichend Kapital für seinen Schuldendienst. Kaum war dieser Zweckoptimismus ausgesprochen, mußte die Krisenbank mit fast fünf Milliarden Euro europäischem Rettungsgeld unterstützt werden. Dies erhöhte weder das Vertrauen der Sparer in die Maßnahmen der politischen Krisenprophylaxe noch das Vertrauen der Banken untereinander.

Unter den maßgeblichen Anteilseignern der BES trübte sich selbstredend die Stimmung, bleibt doch abzuwarten, inwiefern wiederum deren Anteilseigner Vermögen abzuschreiben haben werden. Ausgerechnet die französische Credit Agricole, die nachdem sie ihre Anteile an der spanischen Universalbank Bankinter aufgeben und sich milliardenschwer aus faulen Akquisitionen in Griechenland herauskaufen mußte, ist in ihrem glücklosen südeuropäischen Marktengagement mit 14,7 % der Hauptanteilseigner an der BES. Die jüngste BES-Pleite schlug auf die Nummer Zwei der französischen Banken, gemessen an der Bilanzsumme, mit nicht unerheblichen Belastungen von summa summarum 708 Mio. € durch, die angesichts drohender Strafzahlungen in den USA doppelt schmerzen. Nebenbei bemerkt mußte unabhängig von BES die französische BNP Paribas - nicht zuletzt aufgrund einer 9-Mrd-€-Strafe wegen Sanktionsverstößen in den USA - einen Verlust von 4,3 Mrd. € vermelden, und der Gewinn der Societe Generale ist mitunter ausgerechnet durch eine gesunkene Risikovorsorge bedingt. Und dies angesichts dieser nach wie vor prekären Bankenmarktlage. Als weitere Anteilseigner der BES dürften Blackrock mit 4,7 % sowie Silchester und Capital Research mit jeweils 4,2 % unter aufmerksamer Marktbeobachtung stehen.

Und auch aus Bulgarien könnte Ungemach drohen. Bulgarien, das sich jüngst binnen weniger Tage gleich zweimal mit einem sogenannten Bankenrun konfrontiert sah, drängt geradezu darauf, als erstes Land außerhalb der Eurozone der europäischen Bankenunion beizutreten. Nachdem die bulgarische Zentralbank ihr in Schieflage geratenes Bankensystem gerade erst mit 1,7 Mrd. € Liquidität geflutet hat, dürfte dies nicht ohne Grund geschehen, erhofft man sich vermutlich dadurch den Zugang zu Rettungsgeldern aus den europäischen Bankenrettungsfonds, deren Anwendungsausweitung derzeit ohnehin diskutiert wird. Auch das viertgrößte Geldhaus des Landes, die Corporate Commercial Bank, war von den Bankenruns betroffen. Interessant dabei ist, daß diese von der nationalen Zentralbank die Zustimmung erhielt, eine Tochter der Credit Agricole zu übernehmen. Volkswirtschaftlich zu Bedenken in Sachen Bankenunion ist der hohe Anteil ausländischer Banken in Bulgarien, wie beispielsweise UniCredit, Societe Gerneral, die österreichische Raiffeisenbank und diverse griechische Banken allemal, da man sich schwerlich des Eindrucks erwehren kann, daß im europäischen Bankengeflecht zunehmend der Blinde den Lahmen führt.

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