www.derfflinger.de

Freigegeben in Wirtschaft

Konjunkturbarometer Agrar:

Investitionstiefpunkt in der Landwirtschaft

Freitag, 15 Januar 2016 22:02 geschrieben von  Rüdiger Dietrich

Berlin – Quartalsweise wird mittels einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des DBV, des VDMA Fachverbandes Landtechnik und der Landwirtschaftlichen Rentenbank das sogenannte „Konjunktur- und Investitionsbarometer Agrar“ ermittelt. Für das aktuelle Barometer befragte das Marktforschungsinstitut Produkt + Markt rund 2.100 Landwirte und Lohnunternehmer in ganz Deutschland. Die Ergebnisse zeigen eine weiter verschlechterte wirtschaftliche Stimmungslage in der deutschen Landwirtschaft. Eine angespanntere Liquiditätslage in vielen Betrieben führt zu einem weiteren drastischen Rückgang der Investitionsbereitschaft. Das für die nächsten sechs Monate geplante Investitionsvolumen mit 3,3 Mrd. € weist auf einen erneuten Tiefpunkt hin. Gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum sind das 1,4 Mrd. €, gegenüber dem Stand von vor zwei Jahren sogar 3,0 Mrd. € weniger. Nur 28 % der Landwirte wollen in den kommenden sechs Monaten investieren; vor einem Jahr waren es noch 34 %, vor zwei Jahren 40 %. Die Investitionszurückhaltung betrifft alle Betriebsformen.

Der Indexwert fasst die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung und die Erwartungen an die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung zusammen. Aktuell ist der Konjunkturindex gegenüber der vorangegangenen Erhebung vom September letzten Jahres von 14,7 auf 11,8 Punkte weiter zurückgegangen. Von Ende 2010 bis Mitte 2014 lag dieser Wert zwischen 30 und 35 Punkten, in der Spitze sogar bei 37 Punkten. Während noch im Juni 13 % der Landwirte angaben, dass die Liquiditätslage ihrer Betriebe angespannt oder sehr angespannt sei, waren es nun bereits 20 %, die diese Angabe machten. Insbesondere bei den Futterbau- und Veredelungsbetrieben ist die Liquiditätslage äußerst prekär. Jeder vierte dieser Betriebe beschreibt seine Situation als angespannt bis sehr angespannt. Die Erwartungshaltung der Futterbaubetriebe hat sich zudem gegenüber Herbst verschlechtert. Wenn auch mit leichtem Aufwärtstrend, so blicken die Ackerbaubetriebe besonders skeptisch in die Zukunft.

Einen belastenden, aber nicht mehr so stark negativen Einfluss schreiben die Landwirte den Pachtpreisen zu, doch als Hauptgründe für die aktuell weiter verschlechterte Stimmungslage gelten die niedrigeren Erzeugerpreise auf wichtigen landwirtschaftlichen Märkten, wobei den Preisen für Milch und Schweine der  stärkste negative Einfluss auf die aktuelle Lage zugeschrieben wird. Ungünstig werden aber ebenso die politischen Rahmenbedingungen beurteilt. Die nationale Agrarpolitik wird im Jahresvergleich sogar deutlich schlechter bewertet. Offensichtlich tragen die anstehende Novellierung der Dünge-Verordnung sowie die kritische öffentliche Diskussion über eine moderne Landwirtschaft derzeit zusätzlich zur Verunsicherung der Landwirte und ihrer starken Investitionszurückhaltung bei. Einzig bei den Veredelungsbetrieben scheint man, da es kaum mehr weiter abwärts gehen kann, in zweckoptimistischer Haltung eine leichte Verbesserung der Lage in den kommenden zwei, drei Jahren zu erwarten.

Artikel bewerten
(1 Stimme)