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Preqin Analyse

Investmentbranche: Wohin geht der Private Equity-Markt?

Mittwoch, 24 September 2014 15:12 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
Investmentbranche: Wohin geht der Private Equity-Markt? Quelle: preqin.com

Frankfurt am Main - Laut der Analysegesellschaft Preqin verfügen die Kapitalbeteiligungsgesellschaften weltweit an bereits von professionellen Anlegern eingesammeltem, allerdings noch nicht investiertem Geld über eine Liquiditätsreserve von etwa 1,5 Bio. $. Gemäß Reuters-Berechnungen lagen bezüglich der weltweit 5100 größten Unternehmen die vergleichbaren nicht investierten liquiden Reserven Ende 2013 sogar bei 5,7 Bio. $. Dies heißt nichts anderes, als daß - ohne Einbeziehung von Banken und Versicherungen – bereits globale Cash-Reserven von ungefähr 7,2 Bio. $ - sprich, in etwa das Zweifache des bundesrepublikanischen Bruttoinlandsprodukts - nach Investitionsmöglichkeiten suchen (müßten). Die Konzernliquiditäten erschweren das Agieren der klassischen Finanzinvestoren, da die erhöhten finanziellen Möglichkeiten von Konzernen für strategische Unternehmenskäufe den Konkurrenzdruck für die Private-Equity-Gesellschaften verschärfen.

Je mehr das verfügbare Kapital im Vergleich zum investierten Kapital steigt und die PE-Gesellschaften unter Umständen drohen, in einen branchenbezogenen Anlagenotstand zu geraten, um so mehr werden sich institutionelle, aber auch private Anleger von sog. Retailfonds Gedanken über ihre Anlagealternativen angesichts einer Liquiditätsschwemme im Niedrigzinsumfeld bei bereits erreichten Aktienhöchstständen machen. Doch auch volkswirtschaftlich ist die Fragestellung nach der Entwicklung des Prive-Equity-Marktes nicht ohne Belang. Im besten Falle dient die Kapitalbeteiligung als Geschäftsmodell, überschüssiges Kapital produktiver Verwendung zuzuführen, doch was, wenn das Gros der aufgelegten Fonds in ihrer Realisierungsphase nicht mehr entsprechend strategische Partner zum Verkauf finden? In einer Situation, in welcher der Markt „heißläuft“, werden dann lediglich noch unproduktive Investitionen getätigt, indem überwiegend nur von Finanzinvestor zu Finanzinvestor verkauft wird, und dadurch eine Inflation der Vermögenspreise entsteht, wie sie teilweise auf dem Immobilienmarkt zu beobachten ist. In dieser Phase wird dann auch leicht die Politik des leichten Geldes seitens der Notenbanken eben gerade die Vermögenspreisinflation weiter befördern, da aufgrund eines von den Kapitalgesellschaften anvisierten Leverage-Effektes durch einen hohen Fremdkapitaleinsatz die Überliquidität noch Potenziert wird. Der Druck auf die Zielunternehmen, einen möglichst hohen Cashflow zu erzielen wird dadurch ebenfalls höher.

Ob in einem derartigem Umfeld das sich in den letzten Jahren herausgebildete Kleinanlegersegment im Rahmen des geschlossenen Dachfondskonzepts mit seiner doppelten Kostenstruktur für die private Vermögensbildung den Hoffnungen gerecht werden wird, darf nicht als automatisch gesetzt genommen werden. Aus den vorab genannten Gesichtspunkten erscheinen dagegen trotz erhöhtem betriebswirtschaftlichen Risikos Wagnisfinanzierungsgesellschaften für hochinnovative Bereiche volkswirtschaftlich sogar sinnvoller. Im Großen und Ganzen ist der Investmentbereich nach wie vor oder gerade gegenwärtig nichts für Laien...nur ist die Versuchung vermutlich groß, wenn Sparbuch und Lebensversicherung ausgedient haben...

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