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Bislang von 1.400 Anlegern über 33 Millionen Euro akquiriert

Jäderberg & Cie.: Wie seriös sind Peter Jäderbergs Investitionen in australisches Sandelholz?

Sonntag, 19 Juli 2020 00:24 geschrieben von 
Jäderberg & Cie.: Wie seriös sind Peter Jäderbergs Investitionen in australisches Sandelholz? Quelle: DERFFLINGER

Hamburg – Der Investor Tord Peter Jäderberg blickt auf ein schillerndes Geschäftsleben zurück, ohne dass Anleger bis heute wirklich wissen, was sie von ihm und seinen Investmentangeboten halten sollen. Er selbst sieht sich als erfahrener Mehrfachunternehmer und Vorreiter auf dem Gebiet der Natur-Sachwert-Investments. Wahr ist, dass er mehrere internationale Alternativ-Investmentprojekte initiiert hat, die als innovativ gelten können.

 

Verschiedene Online-Medien berichten, dass der Schwede zunächst an der New Yorker Börse erfolgreich gewesen sei, bis er mit mehreren eigenen Firmen pleite ging und heute mit seiner Partnerin Ingrid Jäderberg in Hamburg den großen Kunstmäzen gebe. Also muss immer noch Geld da sein. „Und wieder wirbt der Wahl-Hamburger Jäderberg von deutschen Anlegern Millionen ein, um Sandelholzbäume im tropischen Australien zu retten und lockt dabei mit Jahres-Renditen von neun Prozent und mehr nach Steuern“, schreibt mit kritischem Unterton das InternetportalGomopa.de. „GoMoPa“ steht für Goldman Morgenstern und Partners und wurde im Jahr 2000 in New York gegründet. Selbstgestecktes Ziel der Netz-Initiative ist es, durch aktive Aufklärung „nachhaltig zur Betrugsprävention in Wirtschaft und Gesellschaft“ beizutragen. Die Jäderberg & Cie. GmbH scheint man dort besonders unter die Lupe zu nehmen.

Seit 10 Jahren sammelt Tord Peter Jäderberg bei deutschen Anlegern Geld ein, damit er bei der australischen Firma Quintis im Norden des Landes Sandelholz-Plantagen pachten und die Bäume nach 16 Jahren verarbeiten lassen kann. Laut dem Portal Investmentcheck.de hat Jäderberg & Cie. bislang von etwa 1.400 Anlegern über 33 Millionen Euro akquiriert, um dieses Geld in australisches Sandelholz zu investieren. Dieses Holz gehört zu den wertvollsten Tropenhölzern und wird auf dem indischen Subkontinent und in Ostasien für religiöse und zeremonielle, aber auch kosmetische und medizinische Zwecke verwendet. Wegen der weltweiten Nachfrage nach Produkten aus dem Sandelholzbaum – etwa Räucherstäbchen, Zahnreinigungskaugummis und Duftölen – wurden auch Investoren auf das Ertragspotenzial dieses Rohstoffes aufmerksam. Durch den nachfragebedingten Rückgang der indischen Sandelholz-Bestände haben sich zunehmend australische Forstunternehmen auf einen umweltfreundlichen Plantagenanbau dieses Holzes spezialisiert.

Zu diesen Sandelholz-Produzenten gehörte die börsennotierte Quintis Ltd., die als Pacht-, Bewirtschaftungs- und Vermarktungspartner der Jäderberg & Cie. GmbH in Erscheinung trat. Aber schon vor drei Jahren wuchsen die Zweifel an diesen Eigenkapitalinvestments in die Plantagen der Quintis Ltd. Im Frühjahr 2017 geriet deren Aktie unter großen Druck. Wegen des massiven Kurseinbruchs beschloss das Management, die Aktie vom Börsenhandel aussetzen zu lassen. Gomopa.de schreibt über diese Zeit: „Die Aktie wurde am 12. Mai 2017 aus dem Handel genommen, nachdem sie innerhalb von drei Tagen um 76 Prozent an Wert verloren hatte. Im Januar 2018 musste die Quintis Ltd. die Insolvenz nach australischem Recht einleiten. Hauptgläubiger BlackRock Inc. aus New York hielt das Unternehmen mit einer Finanzspritze von 145 Millionen Australischen Dollar (89,22 Millionn Euro) am Leben. Die Quintis Ltd. bekam 2019 einen neuen Namen: Quintis (Australia) Pty. Ltd. Das Personal blieb dasselbe.“

Was das Quintis-Durcheinander aus Insolvenz, Geldspritze und Namenswechsel für die deutschen Anleger bedeutet, wollte „Investmentcheck“ im Juli dieses Jahres direkt von Peter Jäderberg wissen. Der antwortete verklausuliert: „In diesem Zusammenhang ist die zuvor bestehende Möglichkeit, die Bewirtschaftungskosten alternativ erst zum Zeitpunkt der Ernte in Form eines Anteils an den Verwertungserlösen zu zahlen, entfallen. Ferner wurden die in den ursprünglichen Verträgen im Voraus vereinbarten Festvergütungen für die laufende Plantagenbewirtschaftung durch kostenbasierte Vergütungen ersetzt, d.h. es werden die tatsächlich anfallenden Kosten gezahlt.“ Der 61-Jährige räumte ein: „Die hierfür budgetierten Kosten übersteigen die ursprünglichen Pauschalvergütungen, was insgesamt zu einer höheren Kostenbelastung und damit zu einem etwas geringeren prognostizierten Mittelrückfluss je investierten Dollar (bzw. Plantagenverwertungserlösen je Unit) führt.“

Das beißt sich mit der Selbstbeschreibung der Jäderberg & Cie.-Gruppe als einem „unternehmerischen Impact Investor, der sich auf nachhaltige Investment-Projekte mit Wirkungsorientierung, geringer Kapitalmarkt-Korrelation sowie hoher unternehmerischer Rendite konzentriert“. 2017 wurde Jäderberg noch mit dem „Deutschen BeteiligungsPreis“ des Fachmagazins „BeteiligungsReport“ in der Kategorie „Alternatives Investment“ ausgezeichnet. Die Jury würdigte die Erschließung des Assets „Sandalwood Album“ für deutsche Anleger. Edmund Pelikan, Geschäftsführer der epk media GmbH & Co. KG, erklärte damals: „Die weitere Leistung der Jäderberg & Cie. war es, aus dieser Investmentidee kluge, flexible und von der BaFin gebilligte Anlageprodukte zu schneidern, die Anlegern auf vorbildlich faire und transparente Art die Möglichkeit bieten, am wirtschaftlichen Potenzial des begehrten Rohstoffes teilzuhaben.“ Ob er die gleichen Worte auch heute noch wählen würde?

Der bayerische Wirtschaftsjournalist Stefan Loipfinger, Herausgeber voninvestmentcheck.de, zieht in einem ganz aktuellen Online-Artikel ein kritisches Jäderberg-Fazit: „Ein Jahr nach den Versprechen zum Abbau des Buchhaltungsstaus fehlen immer noch Jahresabschlüsse. Peter Jäderberg ist seinen Transparenzpflichten nicht ausreichend nachgekommen. Eine Leistungsbilanz über seine Erfolge sehe ich nicht. Sandelholz-Investoren können aufgrund fehlender aktueller Zahlen nicht einschätzen, wie es um ihre Investments steht. Sie sollten massiv Druck aufbauen, damit sich das verbessert. Zur Rolle der BaFin als Aufsichtsbehörde fügt sich ein weiterer Fall von Aufsichtsversagen in die ohnehin schon sehr lange Liste hinzu.“ Wie immer entscheiden ganz eigenverantwortlich die Anleger, wem sie ihr Geld für welche Geschäftsidee anvertrauen.

Letzte Änderung am Sonntag, 19 Juli 2020 10:55
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