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Dem Bundesbankchef platzt bald der Kragen

Jens Weidmann spricht sich erneut gegen „Quantitative Easing“ aus

Freitag, 19 Dezember 2014 20:24 geschrieben von  Enno-Martin Cramer
Dr. Jens Weidmann Dr. Jens Weidmann Quelle: Deutsche Bundesbank

Frankfurt am Main - Der Präsident der Deutschen Bundesbank, Jens Weidmann, hat sich erneut gegen den von der Europäischen Zentralbank (EZB) geplanten massenhaften Ankauf von Staatsanleihen („Quantitative Easing“) ausgesprochen. Es bestehe „keine Notwendigkeit, die geldpolitischen Stimuli auszuweiten“, so Weidmann am Montag bei einem Auftritt vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten. Eine Deflation drohe erst, wenn es zu einer erwartungsgetriebenen Abwärtsspirale aus negativen Inflationsraten, rückgängigem Wirtschaftswachstum und Lohnsenkungen komme.

Weidmann erklärte, die für die  EZB maßgeblichen Inflationserwartungen bewegten sich noch immer „in der Nähe unseres Stabilitätsziels“. Man müsse zwar die weitere Entwicklung sehr genau beobachten, ob die Notenbank eingreifen sollte, könne man jedoch nicht diskutieren, ohne darüber zu sprechen, welche Instrumente ihr überhaupt noch zur Verfügung stehen.

Auch das Argument, dass man sich längst auf „Quantitative Easing“ eingestellt hätte und dass eine Absage des Programms zu schweren Turbulenzen an den Finanzmärkten führen könnte, will der Bundesbank-Chef nicht gelten lassen. Die Märkte müssten akzeptieren, dass nicht jede Erwartung und jeder Wunsch von der EZB erfüllt werden könne. „Anleihekäufe sind kein Wundermittel“, so Weidmann, der einmal mehr darauf hinwies, dass sich ein vermeintlicher Erfolg ähnlicher Programme in den USA oder Großbritannien nicht unbedingt auf Europa übertragen lasse.

Bei ihren Anleihekäufen werde die EZB erhebliche Geldmengen auf den Markt pumpen müssen, „um eine bescheidene und zudem unsichere Wirkung zu erzielen“, warnte Weidmann in Frankfurt. Dem stehe eine Reihe von negativen Begleiterscheinungen gegenüber. So würde die Zentralbank mit „Quantitative Easing“ nach Ansicht des Bundesbank-Chefs ähnlich wie beim OMT-Programm in den Verdacht geraten, Staatsfinanzierung per Notenpresse zu betreiben. Selbst wenn nur deutsche Staatsanleihen gekauft würden, wäre dies monetäre Staatsfinanzierung, die nach EU-Recht unzulässig ist. „Es gibt nicht den einen Knopf, den man nur drücken muss, und schon gehen alle Ampeln auf grün.“ Hinzu komme die Gefahr von Börsenblasen. „Eine noch expansivere Geldpolitik könnte Übertreibungen an den Finanzmärkten Vorschub leisten“, so Weidmann. „Eine stabilitätsorientierte Geldpolitik darf die längerfristigen Nebenwirkungen nicht mit einem Schulterzucken quittieren.“

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