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Nach Loewe gerät auch der Zirndorfer TV-Pionier ins Schlingern

Kann Metz noch gerettet werden?

Dienstag, 02 Dezember 2014 16:31 geschrieben von  Enno-Martin Cramer
Logo der Firma Metz Logo der Firma Metz Quelle: Metz TV Katalog 2012/2013 | (c) Metz-Werke GmbH & Co KG

Magdeburg - Nur wenige Monate nach der in letzter Minute abgewendeten Pleite des Elektronikunternehmens Loewe musste mit Metz nun ein weiterer der letzten drei verbliebenen deutschen Fernsehgerätehersteller Insolvenz anmelden. Das 1938 von Paul Metz in Nürnberg gegründete Unternehmen, das noch bis 2010 von seiner heute 90-jährigen Witwe Helene geleitet wurde, litt schon seit geraumer Zeit zunehmend unter der Konkurrenz aus Japan, Korea und China, die TV-Geräte zu wesentlich günstigeren Preisen anbietet.

Verfügte die Bundesrepublik in den fünfziger und sechziger Jahren mit Firmen wie Saba, Nordmende, Telefunken, Loewe und eben Metz noch über einige der bedeutendsten Produzenten von Fernsehunterhaltungselektronik, fristen die deutschen Hersteller gegenüber asiatischen Branchenriesen wie Samsung und LG, die mittlerweile mehr als die Hälfte aller TV-Geräte weltweit verkaufen, nur noch ein Nischendasein.

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 7,8 Millionen Fernseher für 4,7 Milliarden Euro verkauft, war der Anteil von Metz daran nur noch verschwindend gering. Nach den letzten verfügbaren Zahlen von 2012 setzte das Zirndorfer Unternehmen gerade einmal 94 Millionen um, wobei nur 73 Millionen auf Fernsehgeräte entfielen. Daneben produziert Metz auch Blitzgeräte und anderes Fotoapparatezubehör. Der im mittelfränkischen Zirndorf ansässige Hersteller produziert hochwertige TV-Geräte im Premium-Bereich, die je nach Modell bis zu einigen tausend Euro kosten können. In den letzten Jahren hatte Metz mit stets Verlust abgeschlossen.

Die Banken, bei denen Metz mit 8,8 Millionen Euro in der Kreide steht, übten in den vergangenen Monaten massiven Druck auf Geschäftsführer Norbert Kotzbauer aus. Kotzbauer, der das Unternehmen seit dem Rückzug von Helene Metz leitet, bekam eine Frist zur Sanierung bis Ende 2014 gesetzt. Noch im Sommer hatte er versucht, mit neuen Produktentwicklungen und einer Verlagerung des Vertriebs von den aussterbenden kleinen inhabergeführten Fernsehgeschäften zu großen Elektronikmärkten eine Wende einzuleiten. Einen durchschlagenden Erfolg hatte dieses Unterfangen allerdings nicht. Zwar konnte Metz seinen den Marktanteil in Deutschland steigern und erreichte nach eigenen Angaben im Oktober einen Umsatzanteil von 16 Prozent, doch konnte dies weder die Gläubiger überzeugen noch neue Investoren anlocken.

Insolvenzverwalter Joachim Exner von der Nürnberger Rechtsanwaltskanzlei Beck & Partner, der schon das Insolvenzverfahren von Loewe betreute, prüft derzeit die Möglichkeiten einer Rettung des traditionsreichen Fernsehgeräteherstellers. Eine Eigensanierung sei dabei ebenso denkbar wie der Verkauf an einen Investor, so Exner gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Gegenüber der „Welt am Sonntag“ bestätigte der Insolvenzverwalter, dass es bereits vor der Erklärung der Zahlungsunfähigkeit Gespräche mit potenziellen Investoren gegeben habe. Mit ihnen sowie mit weiteren Interessenten, die sich nach dem Insolvenzantrag gemeldet hatten, solle weiter verhandelt werden. Die 450 Beschäftigten des Zirndorfer Metz-Werkes bangen derweil um ihren Arbeitsplatz. Zumindest bis Ende Dezember soll der Geschäftsbetrieb wie gewohnt weiterlaufen, um noch das Weihnachtsgeschäft mitzunehmen.

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