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Falsch beraten durch Alfred J. Kremer?

Konstantin Strasser will ihm aufgeschwatzte Biogasanlage endlich loswerden

Mittwoch, 13 August 2014 17:39 geschrieben von 
"Manchmal impulsiv und doch sehr vernünftig", Münchens Solarkönig Konstantin Strasser "Manchmal impulsiv und doch sehr vernünftig", Münchens Solarkönig Konstantin Strasser Quelle: MEP/Strasser

München - Eigentlich gilt Konstantin Strasser, Kapitän der Strasser Capital und der MEP Solarwerke, als "Sonnenschein". Der selfmade Unternehmer hat es aus einfachen Verhältnissen kommend geschafft ein Großer im Geschäft der erneuerbaren Energien zu werden. Dieser Erfolg bringt Gelassenheit mit sich. Doch mindestens einmal hat sich Konstantin Strasser verladen lassen. Er könnte darüber fast explodieren. Das war als ihm ein Berater der wenig ruhmreichen und inzwischen insolventen "Leo One" bzw. "Thormann Capital" ein Biogasprojekt aufschwatzte, das eigentlich seiner Philosophie von "Energie aus der Sonne" widersprach.

 Jener Berater der Leo One/Thormann Capital (offenbar ein Wurmfortsatz der schweizerischen SAM AG) soll eben jener Multiberater Alfred J. Kremer gewesen sein, der über Jahre, bis wenige Wochen vor der Insolvenz im Frühjahr 2014, die eigene "Multiconsult GmbH" in München als geschäftsführender Gesellschafter betrieb und der heute dem Investmenthaus "Deutsche Finance Holding AG" als Vorstand vorsteht ... und Anlegervertrauen schaffen soll.

Konstantin Strasser kennt Alfred J. Kremer schon Jahre. "Der Mann ist gebildet und gut in München vernetzt", sagt Strasser auf Anfrage, was er denn mit Alfred J. Kremer zu schaffen habe. Konstantin Strasser ging davon aus mit der Projektierung und Umsetzung einer Biogasanlage seinem Geschäftsfreund Alfred J. Kremer einen Gefallen zu tun. Doch Kremer selbst sieht sich heute eher als Opfer seiner Beratungstätigkeit bei Leo One/Thormann Capital. Außer Spesen sei nicht viel gewesen.

Und nun soll diese Biogasanlage, die sogar und im Gegensatz zu anderen Investitionen der Leo One/Thormann Capital gewinnträchtig läuft, abverkauft werden. "Wir haben uns auf Solarenergie spezialisiert", begründet Strasser seine Absicht. Energieerzeugung aus Hühnerdreck sei auf Dauer nicht sein Metier.

Im Weiler Schwaben westlich von Kelheim wird eine Biogasanlage mit 800 kW Maximalleistung auf Basis von Silomais, Grassilage, Körnermais, Gülle und Hühnertrockenkot betrieben, die für eine jährliche Stromproduktion von ca. 6,1 Mio. kWh und einer Wärmeproduktion von ca. 5 Mio. kWh ausgelegt ist und einen Wirkungsgrad von etwa 43 % aufweist. Durch die Verstromung von 2,88 Mio. Kubikmeter Gas in einem Blockheizkraftwerk soll die Versorgung von etwa 2000 Haushalten mit Elektrizität sichergestellt und zudem 62000 m² Gebäudefläche beheizt werden. Das Investitionsvolumen wurde mit 4,5 Mio. € beziffert. Ursprünglich war keine Gasverstromung geplant gewesen, sondern vorgesehen, eine Gaseinspeiseanlage zu errichten, was jedoch aufgrund technischen Aufwandes der Einspeisung in die örtlich geführte Pipeline sowie Fehlens dafür erforderlicher NaWaRo-Vertragsflächen nicht umgesetzt wurde, sondern zu einer Projektänderung führte.

Als Generalunternehmer dieses Projekts fungierte die in Hamburg ansässige biongy GmbH, hinter deren Gründung die Strasser Capital GmbH und die Hamburger Asset Green GmbH & Co. KG stehen. Für die bislang schwerpunktmäßig im Bereich Photovoltaik engagierte Strasser Capital GmbH war dies eine gezielte Portfolioerweiterung als Beteiligungsgesellschaft im Bereich erneuerbarer Energien. Vertragsgemäßer Auftrag der biongy GmbH war der schlüsselfertige Bau und sich um die Refinanzierung zu kümmern. Der Betrieb erfolgt in enger Kooperation mit der Biogas Gut Schwaben GmbH & Co. KG, die für die technische Betriebsführung verantwortlich ist und auch das Betriebsgrundstück erworben hat. Laut Betriebsführungsvertrag übernahm die Biogas Gut Schwaben GmbH & Co. KG die Verpflichtung für sämtliche Bedienungs-, Kontroll- und Überwachungstätigkeiten zum Betriebsablauf. Die Vertragslaufzeit erstreckt sich auf 20 Jahre. Die Anlage ist seit Mai 2013 in Betrieb und soll innerhalb der prognostizierten Sollwerte arbeiten. Mit der Amberger Frischeier GbR des Herrn Franz Josef Kohl, der ebenfalls einer der beiden Geschäftsführer der Biogas Gut Schwaben GmbH & Co. KG ist, wurde eine zehnjähriger Substratliefervertrag geschaffen. Der regional landwirtschaftliche Hintergrund ist hinsichtlich der Substratversorgung gut geeignet.

Das alles klingt gut und stimmt zuversichtlich, einziger Wermutstropfen ist vielleicht, daß hinter dem Projekt der biongy GmbH als Partner die Leo One – Energy Invest München angegeben wird. Es handelt sich dabei um eben dasjenige 2012 gegründete Unternehmen, das als Retter für die seitens der Schweizer Finanzaufsicht geschlossenen SAM AG in Erscheinung trat und nach dem Verkauf an Michael Thormann als Thormann Capital GmbH firmiert und als Investmentgesellschaft mit Anlageprodukten im Bereich „Grüner Energie“ arbeiten sollte. Am 11.04.2013 stellte die Thormann Capital GmbH Insolvenzantrag. Die Anleger erhalten auch ihre monatlichen Ausschüttungen nicht mehr. Inwiefern dies Auswirkungen auf die weitere Entwicklung des Biogasanlagenprojekts haben wird, bleibt zu beobachten.

Letzte Änderung am Mittwoch, 13 August 2014 20:36
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