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Ermittlungen gegen SIG Sauer

Laptop verschwindet aus Obhut der Staatsanwaltschaft

Samstag, 07 März 2015 17:08 geschrieben von 
Logo von © SIG Sauer Logo von © SIG Sauer Logo ist Eigentum der SIG SAUER GmbH & Co. KG

Kiel - Bei den Ermittlungen gegen den Waffenhersteller SIG Sauer ist das Notebook eines früheren Geschäftsführers aus den Räumen der Kieler Staatsanwaltschaft entwendet worden.

Dieses war im Juli vergangenen Jahres bei einer der Durchsuchungen des Firmensitzes in Eckernförde und mehrerer Wohnhäuser der Eigentümer gemeinsam mit anderem möglichen Beweismaterials sichergestellt worden. Seither streiten die deutsche L&O Holding, der SIG Sauer angehört, und die Kieler Staatsanwaltschaft darüber, welches der beschlagnahmten Materialien juristisch verwendet werden dürfe.

Der Rechner war deshalb auch noch nicht ausgewertet worden, als es zu dem Diebstahl kam. Die Staatsanwaltschaft Kiel bestätigte, dass es im letzten Jahr „zu Straftaten zum Nachteil der Staatsanwaltschaft Kiel gekommen“ sei. Da die Ermittlungen zu dem Delikt andauern, wolle man sich aber nicht weiter äußern. Ein Zusammenhang des Diebstahls mit der Firma SIG Sauer sei aber unwahrscheinlich, denn das Notebook sei nur ein Gegenstand von vielen gewesen, die aus den Räumen entwendet worden seien. Auch Beweise aus anderen Verfahren seien verschwunden. Wieso die Beweismittel überhaupt aus dem videoüberwachten und gesicherten Gebäude entwendet werden konnten, ist bisher noch immer unklar. Die Sicherheitsmaßnahmen seien aber seitdem erhöht worden und der Umgang mit Beweismaterial verschärft, versicherte die Staatsanwaltschaft.

Seit mehr als einem Jahr dauern die Ermittlungen der Staatsanwälte gegen den ältesten deutschen Waffenhersteller nun schon an. Das Unternehmen steht in Verdacht illegal Waffen in mehrere Länder geliefert zu haben. Neben einer Lieferung von siebzig Pistolen nach Kasachstan, sollen ohne Genehmigung angeblich mehrere Tausend Pistolen über die USA nach Kolumbien geliefert worden. Weiterhin besteht der Verdacht, dass diese Lieferungen nur die Spitze des Eisberges seien und weitere Lieferungen, unter anderem von Scharfschützengewehren nach Brasilien, Indien und Pakistan, illegal stattgefunden haben.

Noch ist kein Ende der Ermittlungen abzusehen. Den Eigentümern der L&O Holding, Thomas Ortmeier und Michael Lüke, drohen mehrjährige Haftstrafen, sollten die Vorwürfe sich bewahrheiten. Mittlerweile sollen die Ermittlungen gegen drei weitere Geschäftsführer, unter anderem Ron Cohen, der derzeitige Chef von SIG Sauer USA, ausgeweitet worden sein.

Die Firma steht aufgrund des mit dem Verfahren verbundenen Exportverbots seiner Waffen vor großen Problemen und musste im Herbst 2014 auf Kurzarbeit umstellen. Im Februar verkündete das Unternehmen, dass die Anzahl der Mitarbeiter in Eckernförde um drei Viertel reduziert werden soll. Der Standort soll zudem nur noch Sportwaffen für den europäischen Markt produzieren. Die Pistolenproduktion für Polizei und Militär werde in das Schwesterunternehmen in den USA verlagert, so der Konzern.

Die deutschen Arbeitnehmer erheben schwere Anschuldigungen an das Unternehmen: Der Standort Eckernförde sei „in den vergangenen Jahren von den Eigentümern systematisch ausgeweidet und zerfleddert“ worden, so Kai Petersen von der Gewerkschaft IG Metall. Auch seien die gezahlten Abfindungen an die Mitarbeiter „erschütternd niedrig“.

Letzte Änderung am Sonntag, 08 März 2015 21:47
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