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Weitere Anleihenaufkäufe möglich

Mario Draghi will Geldschleusen weiter öffnen

Mittwoch, 19 November 2014 23:46 geschrieben von  Torsten Müller
EZB-Präsident Mario Draghi EZB-Präsident Mario Draghi Quelle: EZB

Frankfurt am Main - Trotz zahlreicher teurer Maßnahmen bekommt die Europäische Zentralbank (EZB) die vermeintlich zu niedrige Inflation nicht in den Griff. Laut EZB-Chef Mario Draghi sollen künftig weitere Instrumente genutzt werden. Auch die Geldschleusen könnten noch weiter geöffnet werden. Draghi sagte dazu vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europaparlaments: „Wir müssen weiter auf der Hut sein, was Abwärtsrisiken für unseren Inflationsausblick angeht.“

An den Leitzinsen seien keine Änderungen mehr möglich. Möglich sei aber in jedem Fall der weitere Ankauf von Staatsanleihen. Experten erwarten, dass sich die Inflationsrate künftig noch weiter nach unten bewegen wird, was dazu führen dürfte, dass die EZB die Politik des billigen Geldes fortsetzt. Die EZB bereitet derzeit den Einsatz weiterer unkonventioneller Mittel vor. So ist neben dem Ankauf von Staatsanleihen auch der Ankauf privater Anleihen bereits in Aussicht gestellt worden.

Laut dem EZB-Rat sei realistisch, dass man die Bilanz der Zentralbank auf das Niveau von 2012 aufblähen könne. Dies würde einer Ausweitung um etwa eine Billion Euro entsprechen. Nur mit Kreditverbriefungen und so genannten Covered Bonds sei das Experten zufolge aber kaum möglich, weil sie in Europa noch nicht so stark verbreitet seien.

Der Notenbank-Direkter Yves Mersch sagte dazu: „Unsere Liquiditätsspritzen und Ankaufprogramme dienen dazu, die Verstopfungen im Kreditkanal zu lösen.“ Es sei nicht das Ziel, dem Bankensektor schlechte Kreditrisiken abzunehmen und in der Bilanz der Notenbank zu versenken. „Das ist nicht unser Auftrag. Dass sich unsere Bilanz im Zuge dessen verlängert, ist weder ein Selbstzweck noch ein Fetisch.“

Experten gehen davon aus, dass die offizielle Inflationsrate trotz der EZB-Maßnahmen noch eine ganze Weile im Keller bleiben wird. Zuletzt lag sie bei 0,4 Prozent, seitens der EZB sind zwei Prozent angestrebt.

Da bisher keine der Maßnahmen der von Draghi geführten EZB Erfolg mit sich gebracht hat, kommen auch namhafte Wirtschaftswissenschaftler mit immer kurioseren Vorschlägen daher. So sei es laut dem US-Wirtschaftsprofessor Mark Blyth und dem Managementberater Daniel Stelter wirtschaftlich sinnvoller, allen Bürgern der Euro-Zone 5.000 Euro auszuhändigen als mit dem ziellosen Anleihenaufkauf fortzufahren. Auch das würde Geld in Umlauf bringen und es käme sogar letztlich der Wirtschaft zugute, was man von dem vermeintlich billigen Geld der EZB bisher nicht behaupten kann.

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