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Ernüchterndes Ergebnis für Bahnkunden

Mobilfunknetz in Zügen ist inakzeptabel

Donnerstag, 04 Dezember 2014 21:08 geschrieben von  Susanne Hagel

Magdeburg - Wer regelmäßig Zug fährt und dabei gern im Internet unterwegs ist, dürfte vom Ergebnis des Mobilfunknetz-Tests der Zeitschrift Connect nicht überrascht sein: das Netz in Zügen fällt schlichtweg durch.

Ursache für den schlechten Empfang seien fehlende Sendeanlagen an den Schienensträngen. Unabhängig von der sonst in Städten und auf Autobahnen gebotenen Leistung fallen im Zug alle vier getesteten Netzanbieter durch. Connect bezeichnet deshalb das deutsche Schienennetz als "größten Makel des deutschen Mobilfunknetzes". Ärgerlich ist das vor allem für all diejenigen, die geschäftlich häufig mit der Bahn reisen. Dabei genügt ein Blick in die Schweiz um zu sehen, dass das nicht sein muss. "Es ist erstaunlich, wie weit die Schweizer Staatsbahn SBB und die Mobilfunkbetreiber bei der Versorgung im Zug im Vergleich der deutschsprachigen Länder sind", so Connect. Selbst der Spitzenreiter in Deutschland, die Telekom, nutze dem Kunden nichts, während der Fahrt in einem Zug. "Obwohl die Deutsche Telekom die anderen Netzbetreiber bei der Versorgung der Bahn übertrifft, überzeugt auch ihre Leistung auf diesem Terrain nicht wirklich", so die Zusammenfassung des Netztests. "Die Ergebnisse lassen aufhorchen, so unterdurchschnittlich sind sie - und so viel schlechter als auf Autobahnen", heißt es weiter. Die Experten forderten die Mobilfunkanbieter und die Deutsche Bahn auf, "dringend aktiv zu werden, um die Versorgung auf ein akzeptables Niveau zu bringen." Unterdessen kündigte Bahnchef Rüdiger Grube an, ab kommendem Jahr in allen ICE-Zügen kostenloses W-LAN anzubieten.

Insgesamt konnte die deutsche Telekom ihren ersten Platz jedoch wieder verteidigen. "Was mobile Datenübertragung angeht, führt an der Deutschen Telekom kein Weg vorbei", schreibt Connect. Doch auch Vodafone habe aufgeholt und folge auf "einem guten zweiten Platz". Etwas abgeschlagen landen O2 und E-Plus auf Platz drei und vier. Wie die Messungen ergaben, liefert sich die Telekom bei der Sprachtelefonie ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem britischen Rivalen Vodafone - und das auf hohem Niveau. Getestet wurde neben der Sprachqualität die Zeit für den Aufbau der Telefonate und die Anzahl der erfolgreichen Verbindungsversuche. Telekom schaffe laut Testberichte demnach durchschnittliche Übertragungsgeschwindigkeiten zwischen 8,4 und 30 Megabit pro Sekunde. Schnelle Internetverbindungen funktionierten dabei auch in der Provinz, auf Landstraßen und Autobahnen in der Regel so gut, dass Fernsehempfang in HD-Qualität möglich sei. Vodafone kann bei dieser Leistung nicht mithalten. So sehen Fachleute vor allem in kleineren Städten noch "Entwicklungspotenzial" für den Zweitplatzierten, der dennoch  mächtig aufgeholt habe. Wie die Messungen bei O2 zeigen, befindet sich die Nummer drei noch mitten im Ausbau des Netzes mit dem neuen LTE-Standard (4G) ist. Entsprechend häufig mangelt es bei der Telefonie, weil die 4G-Technik derzeit nur zum Datenverkehr taugt. Sobald der Nutzer ein Telefonat beginnt, wird das Gerät automatisch vor Gesprächsbeginn auf einen älteren Funkstandard heruntergeschaltet, heißt es. O2-Datenverbindungen sind im Vergleich zum Vorjahr jedoch zuverlässiger und schneller geworden. Auch der Testvierte, E-Plus, hat nun nach der Optimierung des UMTS-Netzes begonnen, seine LTE-Infrastruktur in Großstädten auszubauen. Etwas weniger als die Hälfte der Datenmessungen liefen über LTE, in Kleinstädten und auf Transferrouten blieb die Verfügbarkeit des 4G-Netzes jedoch im einstelligen Prozentbereich. Die Stabilität in Großstädten hat gegenüber dem Vorjahr leider abgenommen. Dennoch schaffte es E-Plus, die Rufaufbauzeit niedrig zu halten und die Sprachqualität deutlich zu steigern, womit sie sich bei der Telefonie klar zu O2 distanzieren konnten. Auf Transferstraßen und im Zug jedoch liegt E-Plus weit hinter den Erstplatzierten zurück. Ebenso fehlt es E-Plus-Nutzern deutlich an Geschwindigkeit in den Städten aufgrund des geringen LTE-Anteils des Betreibers. Einzig bei der Zuverlässigkeit konnte E-Plus punkten. Da E-Plus und O2 demnächst fusionieren, dürfte sich die Lage in den nächsten Monaten grundlegend ändern. Experten rechnen mit einem forcierten Ausbau der Infrastruktur beider Anbieter.

Im Vergleich zu unseren Nachbarländern schneidet Deutschland jedoch nicht sonderlich gut ab. "Gerade die Schweiz zeigt einmal mehr, wie gut Mobilfunkversorgung sein kann", so das Testergebnis. So habe die Swisscom mit 456 von 500 möglichen Punkten das mit Abstand beste Ergebnis der drei Länder erreicht. Auch Österreichs Testsieger A1 Telekom Austria war stärker als die deutsche Telekom, so die Tester. Die Zeitschrift für Telekommunikation Connect prüfte zum 17. Mal, welche Anbieter in Deutschland, Österreich und der Schweiz ihre Mobilfunkkunden mit der besten Telefon- und Datenverbindung versorgen.

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