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Prognose der Fed

Notenbankchefin Janet Yellen deutet Blase an den Aktienmärkten an

Donnerstag, 07 Mai 2015 22:58 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
Seal of the Federal Reserve System Seal of the Federal Reserve System Quelle: U.S. Government - Extracted from PDF version of the Federal Reserve's Purposes & Functions document

New York - Ob DAX, der MDax oder der TecDax und der EuroStoxx, sämtlichst rutschten die Börsenidizes ab und zeigten sich offenbar nicht unbeeindruckt von gewissen Unternehmensmeldungen, wie beispielsweise dem angekündigten Siemens-Stellenabbau. Selbstredend mögen die Wahlen in Großbritannien ebenfalls zur Verunsicherung beigetragen haben, geht es dabei immerhin auch um die Frage eines künftigen Referendums zur EU-Mitgliedschaft der Insel. Dennoch feierten die Börsen rückblickend auf das letzte Jahr mehrfach Kursfeuerwerke, im Zuge derer sich die Allzeithöchststände streckenweise regelrecht jagten. Die Gründe hierfür waren jedoch nicht allein in unternehmerischen Fundamentaldaten zu suchen, sondern in nicht geringem Ausmaße vor allem auf die zentralbankinduzierte Niedrigzinsphase zurückzuführen. Die Fed-Chefin Janet Yellen äußerte nun im Rahmen einer IWF-Veranstaltung in Washington erste Bedenken hinsichtlich der bullischen Finanzmarktentwicklung.

Auf den ersten Blick mag es zwar nicht beunruhigend klingen, wenn die US-Notenbankerin „nur“ von „potentiellen Gefahren“ und „möglichen Nachteilen“ spricht, doch ist es für Notenbankchefs, insbesondere bei der Federal Reserve, nicht üblich, sich mit drastischen Worten einer Lageeinschätzung hinzugeben, da man stets sehr bedacht hinsichtlich der Wirkung auf die Märkte zu sein hat. Dennoch bezeichnete Yellen die gegenwärtigen Kurse als „allgemein ziemlich hoch“. Liquiditätsprobleme bei bestimmten Vermögensverwaltern seien, so Yellen, nicht auszuschließen, sollte es zu Kapitalrückforderungen in größerem Ausmaße kommen. Hinsichtlich einer Zinswende deutete sie auch in den langfristigen Renditen Gefahren für das Finanzsystem an. Seit Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 bewegen sich die Leitzinsen der FED zwischen Null und 0,25 %, wobei Yellen nicht leugnete, daß aufgrund dieser Niedrigzinspolitik Banken und Versicherungen unter Druck geraten. Dennoch verteidigte sie diese Politik. Vielfach wird jedoch bereits über eine Anhebung des Zinssatzes noch in diesem Jahr spekuliert. In Anlegerkreisen können Yellens Aussagen durchaus für Beunruhigung gesorgt haben.

Nicht weniger beunruhigend dürfte - auch wenn Yellen dazu nicht Stellung nahm – die erneute Zunahme sogenannter Subprime-Kredite in den USA sein. Dieses Mal sind es überwiegend Auto- und Studentenkredite, die auf eine Größenordnung von 1,2 Bio. $ anschwollen. Mehr als zehn Prozent der Studenten sind nicht in der Lage, ihre Schulden zurückzuzahlen, was zu einer volkswirtschaftlich relevanten erzwungenen Konsumzurückhaltung dieser Generation führen dürfte. Ebenso bedenklich erscheint ein Blick auf die USA-Staatsverschuldung, die trotz niedrigster Zinslage jährliche Kosten von über 200 Mrd. $ verursacht. - Hohe Börsenkurse allein sind eben noch lange keine Krisenversicherung!

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