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Oxfam:

Oxfam-Bericht legt ungleiche Wohlstandverteilung offen!

Mittwoch, 20 Januar 2016 05:49 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
Bildschirmfoto vom 20.01.2016-01 der Webseite www.oxfam.de Bildschirmfoto vom 20.01.2016-01 der Webseite www.oxfam.de Bildschirmfoto: www.oxfam.de

Oxford – Kurz vor dem Wirtschaftsforum in Davos legt die Entwicklungsorganisation Oxfam einen schockierenden Bericht vor, demzufolge die Wohlstandverteilung extreme Ungleichgewichte aufweist, nicht zuletzt deshalb, weil die kapitalkräftigsten Wirtschaftsteilnehmer erfolgreich Steuern vermeiden. Oxfam ist ein unabhängiger Verbund von verschiedenen Hilfs- und Entwicklungsorganisationen und arbeitet weltweit dafür, dass sich Menschen in armen Ländern nachhaltige und sichere Existenzgrundlagen schaffen können, Zugang zu Bildung, gesundheitlicher Versorgung, Trinkwasser und Hygiene-Einrichtungen sowie Unterstützung bei Krisen und Katastrophen erhalten. Das Weltwirtschaftsforum ist eine starker Kritik seitens zahlreichen Globalisierungsgegnern ausgesetzte gemeinnützige Stiftung, die in erster Linie für ihr alljährliches Jahrestreffen mit international führenden Wirtschaftsexperten, Politikern, und Journalisten in Davos bekannt ist.

Es sind die zahlreichen Steueroasen, die mit extrem niedrigen bis keinen Steuern auf Einkommen, Gewinne oder Vermögen für Unternehmen und begüterte Einzelpersonen standortpolitische Attraktivität erzeugen, welche laut der Nichtregierungsorganisation verschärfend auf die global soziale Asymmetrie wirken. Neun von zehn großen Unternehmen verfügen nach einer Oxfam-Schätzung über mindestens eine Niederlassung in einer Steueroase, wodurch gerade die Entwicklungsländer mindestens 100 Mrd. $ an Steuereinnahmen verlieren. Ein beredtes Indiz ist der Umstand, dass sich im Zeitraum von 2001 bis 2014 die Unternehmensinvestitionen in den sogenannten Steueroasen vervierfacht haben. Der neue Oxfam-Bericht „An Economy for the 1 Percent“ verweist auf eine Analyse des Credit Suisse Wealth Report 2015, derzufolge das oberste Prozent der Weltbevölkerung über mehr Vermögen verfügt als der Rest der Welt zusammen.

Oxfam zitiert eine Schätzung des französischen Wirtschaftswissenschaftlers Gabriel Zucman, wonach schwerreiche Einzelpersonen Gelder in einer Größenordnung von mehr als das gemeinsame Bruttosozialprodukt Deutschlands und Großbritanniens, nämlich etwa 7 600 Mrd. $, in in Steueroasen angelegt haben. Die Heimatländer dieser Steuerflüchtlinge erlitten dadurch einen Einnahmeverlust von ca. 190 Mrd. $. Während binnen nur einer halben Dekade das Vermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung mit etwa 41 % um rund eine Billion Dollar schrumpfte, wuchs im Gegenzug das Vermögen der reichsten 62 Personen mit 44 % um über 500 Mrd. $. Oxfam fordert deshalb ein Wirtschafts- und Finanzsystem ohne Steueroasen und befürwortet einen umfassende automatischen Informationsaustausch über Finanzkonten zwischen Staaten und Jurisdiktionen sowie den kürzlich verabschiedeten G-20-Aktionsplan zur Bekämpfung der Gewinnkürzung und -verlagerung von Unternehmen.

Allerdings rügt die Nichtregierungsorganisation, dass bislang die Entwicklungsländer  bei der Neugestaltung des weltumspannenden Steuerregimes bisher außen vor geblieben seien. Eine Verpflichtung der  Unternehmen zu einer öffentlichen länderbezogenen Berichterstattung sei erforderlich, um den Niedrigsteuerwettbewerb zu beenden. Beschämend ist, dass trotz verfassungsgemäßem Sozialstaatsgebots in Deutschland die Ungleichheit bei Vermögen, Einkommen und Chancen im Vergleich zu anderen OECD-Ländern besonders hoch und in den vergangenen Jahrzehnten erheblich gestiegen ist. Die reichsten 10 % der Haushalte in Deutschland besitzen Oxfarm zufolge mindestens 63 % des Gesamtvermögens.

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