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Noch mehr Geld für die Griechenland-Rettung

Politiker diskutieren Alternativen zu einem weiteren Schuldenschnitt

Donnerstag, 12 Juni 2014 14:12 geschrieben von  Jens Hastreiter
Politiker diskutieren Alternativen zu einem weiteren Schuldenschnitt Quelle: pixabay.org

Athen - Wie nicht anders zu erwarten, verkündete der Internationale Währungsfonds (IWF) kurz nach der Wahl des Europäischen Parlaments, daß Griechenland zur Rettung vor dem Staatsbankrott weitere Milliarden benötige.

Zwar sei das Land bei der Krisenbewältigung ein gutes Stück vorangekommen, doch, so der IWF am 10. Juni, sollten sich die Europäer auf neue Finanzhilfen für Griechenland einstellen. Spätestens ab 2015 drohe eine weitere Finanzlücke in Milliardenhöhe. Daher sollten die europäischen Partnerländer neue Rettungspakete schnüren. In diesem Zusammenhang warnt der IWF vor einer wachsende Reformmüdigkeit der Griechen nach sechs Jahren Rezession.

Um das Land vor der Pleite zu bewahren, erhielt Griechenland bisher Rettungspakete in Höhe von rund 240 Milliarden Euro. Noch in diesem Jahr läuft das zweite Rettungspaket in Höhe von 144,6 Milliarden Euro aus. Wiederholt betonte die griechische Regierung, sie sei nicht bereit, ein drittes Programm in Anspruch zu nehmen, das mit weiteren einschneidenden Reform- und Sparauflagen verbunden wäre.

Dafür hat offenbar auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) Verständnis. Eine Woche nach der EU-Wahl sprach er bereits von einem neuen Hilfsprogramm für Griechenland und davon, dass Deutschland Solidarität mit Griechenland zeigen müsse.

Für den IWF steht fest, dass Griechenland die Zusagen zur längerfristigen Schuldenrückführung nicht einhalten kann. Der Fonds spricht von einem Finanzbedarf von 12,6 Milliarden Euro nach Mai 2015, wenn nicht zusätzlich Kapital über die Märkte aufgebracht oder eine Entlastung bei den Schulden erzielt werde.

Nun wird in den EU-Gläubigerstaaten überlegt, wie man einen zweiten Schuldenerlass für Griechenland vermeiden kann. Eine Verlängerung der Tilgungsfristen von heute durchschnittlich 24 auf 50 Jahre und eine Zinssenkung um einen halben Prozentpunkt auf alle bereits gewährten Kredite sind dabei im Gespräch.

Insgesamt beläuft sich die Staatsschuld Griechenlands auf rund 316 Milliarden Euro. 215 Milliarden davon entfallen auf die beiden Hilfspakete, die die Euro-Partner und der Internationale Währungsfonds seit 2010 zur Rettung des Landes geschnürt haben. Die deutschen Steuerzahler stehen dabei für 55 Milliarden Euro gerade.

Die beiden Alternativen, Tilgungsfristverlängerung und Zinssenkung, sehen auf dem ersten Blick besser aus als ein Schuldenerlass. Experten der Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank (DZ-Bank) berechneten, dass Zinssenkung und Laufzeitverlängerung Griechenland über den gesamten 50-Jahres-Zeitraum einen finanziellen Vorteil von 78,2 Milliarden Euro bringen würde. Dies entspreche allerdings einem sofortigen direkten Schuldenschnitt im Umfang von 40 Prozent und würde für die deutschen Steuerzahler einen geldwerten Nachteil von bis zu 22 Milliarden Euro bedeuten.

In jedem Fall steht fest, dass jedwede Hilfsmaßnahme für Griechenland den deutschen Steuerzahler viel Geld kosten wird. Ein Schuldenschnitt wäre den Parlamentariern wie der Öffentlichkeit dabei nur schlecht zu verkaufen, daher gehen Beobachter davon aus, dass es zur Laufzeitverlängerung sowie einer Zinssenkung für laufende Kredite aus dem Rettungsfonds „Europäischer Stabilitätsmechanismus“ (ESM) an Griechenland kommen wird.

Letzte Änderung am Samstag, 21 Juni 2014 13:01
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