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Smarte Antwort auf Coronakrise

Private Notkredite aus Liechtenstein für notleidende Unternehmen im Schatten von Covid19

Dienstag, 14 April 2020 10:23 geschrieben von 
Celina Banzer, Martin Hörndlinger, Joachim Janert, Horst Erne, Joana Ogl und Dirk Wemhöner bieten Engagement und Notkredite betriebswirtschaftlich leidenden Unternehmen an. Celina Banzer, Martin Hörndlinger, Joachim Janert, Horst Erne, Joana Ogl und Dirk Wemhöner bieten Engagement und Notkredite betriebswirtschaftlich leidenden Unternehmen an. Quelle: DERFFLINGER

Vaduz – Die Zeiten der Coronapandemie sind selbst für die gesündesten Unternehmen eine große Gefahr. Horst Erne und Dirk Wemhöner haben sich wohl irgendwann in den besinnlichen Tagen der Coronapandemie die Frage gestellt, ob es nicht nun Zeit dafür wäre, Gutes zu tun, um eigentlich gute Unternehmen, die der Lockdown in existenzielle Not bringt, über den Berg zu helfen. Die Runde der liechtensteiner Unternehmer ergänzte sich rasch um Celina Banzer, Martin Hörndlinger, Joachim Janert, und Joana Ogl. Und schon war eine patriotische Gruppe entstanden, die aber auch über die Grenzen des Fürstentums hinaus helfen möchte - mit Kapital und Sachverstand.

 

Zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben die meisten europäischen Regierungen ihre Volkswirtschaften in eine Art Wachkoma versetzt. Die Unternehmen ersehnen eine baldige Lockerung der massiven Einschränkungen, um ihre Tätigkeit wieder aufnehmen zu können. Der wochenlange Stillstand hat die meisten von ihnen in eine existenzbedrohende Lage gebracht. Bei fortlaufenden Fixkosten sind Firmen und Solo-Selbstständigen die Einnahmen teilweise oder ganz weggebrochen. Zu den Folgen gehören hochgefährliche Liquiditätsengpässe.

Dem versuchen die nationalen Regierungen mit milliardenschweren Förderprogrammen entgegenzuwirken. Gerade die deutsche Bundesregierung rühmt sich eines historisch einmaligen Maßnahmenpakets, das den Unternehmen mit Liquiditätshilfen das Überleben sichern soll. Aber viele Mittelständler befürchten, dass die versprochenen Hilfen bei ihnen nicht ankommen. Insbesondere kleinere mittelständische Unternehmen mit 100 oder 200 Mitarbeitern drohen durch das Förderraster zu fallen, glaubt etwa der Verband der Chemischen Industrie (VCI). Er vertritt gegenüber Politik und Behörden die Interessen von rund 1.700 deutschen Chemieunternehmen und deutschen Tochterunternehmen ausländischer Konzerne. Im letzten Jahr setzte diese Branche rund 196 Milliarden Euro um und beschäftigte 464.800 Mitarbeiter. Henrik Follmann, Mitglied des VCI-Präsidiums, verlangt von der deutschen Bundesregierung deutliche Nachbesserungen bei der Mittelstandshilfe: „Liquiditätshilfen müssen unbürokratisch und vor allem schnell bereitgestellt werden. Das ist vor allem für kleinere Unternehmen noch nicht gewährleistet.“

Bislang ist zur Überwindung akuter Liquiditätsmängel bei Mittelständlern vorgesehen, dass diese Kredite bei der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) beantragen. Je nach Unternehmensgröße trägt die Förderbank KfW über ihr Sonderprogramm 80 beziehungsweise 90 Prozent des Kreditrisikos. Das Restrisiko verbleibt bei der Hausbank, oder das Unternehmen selbst stellt Sicherheiten. Beides kostet viel Zeit, die Unternehmen in der derzeitigen Notlage nicht haben. Im schlimmsten Fall sind sie bis zur Kreditentscheidung schon zahlungsunfähig. „Hier sollte die Bundesregierung nachbessern und den Prozess vereinfachen und beschleunigen. Denkbar wäre eine weitergehende Freistellung der Geschäftsbanken hinsichtlich des Kreditrisikos oder eine zeitlich nachgelagerte Bonitätsprüfung“, schlägt der Verband der Chemischen Industrie vor.

Auch in Österreich leiden die Unternehmen an Liquiditätsengpässen infolge heftiger Einnahmeausfälle und sehen einen immensen Finanzierungsbedarf durch die öffentliche Hand. Deshalb hat die türkis-grüne Bundesregierung Ende März einen vier Milliarden Euro schweren Corona-Krisenbewältigungs-Fonds eingerichtet. Ziel ist es, die Liquidität der Firmen zu gewährleisten und Arbeitsplätze zu sichern. Inzwischen wurde der Hilfsfonds für die österreichische Wirtschaft auf 15 Milliarden Euro erhöht. Kurz vor Ostern gab Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) bekannt, dass die EU-Kommission den ersten Teil des Milliardenpakets genehmigt hat. Liquiditätshilfen können solche Unternehmen beantragen, die in Österreich registriert sind und dort ihre Hauptgeschäftsaktivität haben. Schramböck sagte: „Mit dem Fonds über 15 Milliarden Euro helfen wir Betrieben, die von den verordneten Schließungen direkt betroffen sind und damit all jenen, die von heute auf morgen keine Umsätze mehr haben. Die rasche Bereitstellung von finanziellen Mittel für österreichische Unternehmen, die aufgrund der Corona-Krise schwerwiegende Liquiditätsengpässe haben, ist in dieser Phase essentiell.“ Trotz solcher Worte haben in Österreich zahlreiche Unternehmen die Sorge, durch das großmaschige Fördernetz zu fallen und wegen Kapitalmangels in die Insolvenz zu schlittern.

Eine Gruppe von Liechtensteiner Selbstständigen will notleidende Unternehmen, die keine oder zu wenig staatliche Unterstützung in der Corona-Krise bekommen, nun mit privaten Notkrediten auffangen. Ziel der Initiative um Horst Erne aus Triesen ist es, mit zinslosen Krediten ein Firmensterben zu verhindern. In einer gemeinsamen Erklärung heißt es: „Der Mittelstand wird kaum in der Lage sein, die erheblichen finanziellen Auswirkungen zu schultern.“ In Liechtenstein sei der Mittelstand das Rückgrat der Wirtschaft und durch erhebliche Umsatzausfälle aufgrund der Virus-Verbreitung am Rand des Ruins. „So musste eine selbstständige Unternehmerin jüngst das letzte Wechselgeld aus der Kasse nehmen, um ihren Kindern etwas zu Essen zu kaufen – ihre Einnahmen brachen seit der zwangsweisen Schließung ganz weg“, klagt der Kreis um Buchhalter Horst Erne. Er betreut viele Mittelständler und kennt reihenweise solche Leidensgeschichten, die vor wenigen Monaten noch unvorstellbar waren. Die Liechtensteiner Unternehmergruppe ist der Überzeugung, dass viele staatliche Hilfsmaßnahmen zu kurz oder gar nicht greifen. „Hier ist Menschlichkeit und Pragmatismus gefragt, nicht blumige Worte und ein am Bedarf völlig vorbei konstruiertes Hilfspaket“, betont Erne, der es nicht bei schönen Worten und bloßen Absichtserklärungen belassen will.

Das Online-Portal „Liechtensteiner Vaterland“ schreibt über den Impulsgeber der Initiative und seine Mitstreiter: „Zusammen mit seinen Geschäftsfreunden Dirk Wemhöner und Joachim Janert, Confidentia Treuhand, Unternehmerin Joana Ogl, Wirtschaftsprüfer Martin Hörndlinger von Thurn und Taxis Revisions- und Wirtschaftsprüfungs AG und Bankerin Celina Banzer wurde umgehend ein Hilfspaket geschnürt. Die Unternehmer legten zusammen und haben einen sechsstelligen Betrag zur Verfügung gestellt. Erste Gelder kamen bereits zur Auszahlung.“ Joachim Janert konkretisiert: „Wir unterstützen genau dort, wo Hilfe benötigt wird. Es ist schier unglaublich, mit wie wenigen tausend Franken eine ganze Existenz gesichert werden kann, wenn das Geld richtig eingesetzt wird.“ Angeboten werden zinsfreie Notdarlehen mit Rangrücktritt, das heißt, das Geld fließt als Eigenkapital in die Bilanz ein und verhindert so die Überschuldung und die Pflicht zum sofortigen Konkursantrag.

Erne, Hörndlinger und Banzer sind für die Koordination und Bearbeitung der vielen Hilfsanfragen zuständig und sorgen nach eigenen Angaben dafür, dass schon innerhalb einiger Stunden die Soforthilfe verfügbar ist. Diskretion wird bei der Kreditgewährung großgeschrieben. „Menschen in einer Notlage trauen sich laut Erne häufig nicht, dies offen zu sagen und nach außen zuzugeben“, erklärt Celina Banzer auf Nachfrage. „Auch möchten sie nicht den Eindruck erwecken, auf Almosen angewiesen zu sein. Daher ist uns besonders wichtig, in aller Diskretion und Verschwiegenheit vorzugehen. Die Idee, zinsfreie Notdarlehen zu verwenden, ist daher naheliegend.“

Für die Unternehmer Dirk Wemhöner, Joachim Janert und Joana Ogl ist unbürokratische Hilfe in solchen Zeiten Ehrensache und fast schon patriotische Pflicht. In diesem Sinne sagt Wemhöner: „Liechtenstein hat uns als Unternehmer willkommen geheißen und uns so vieles ermöglicht. Wir sind eng verbunden mit dem Land und unseren Freunden, zu denen auch viele Unternehmer gehören. Es gehört sich, dass wir in einer solch schweren Zeit unseren Nachbarn und unserem Standort beistehen – und ich fordere jeden auf, dies ebenfalls zu tun.“ Gerade Selbstständige sind es ja gewohnt, sich nicht auf den Staat zu verlassen, sondern Eigeninitiative für sich und andere zu zeigen. Die sechs Liechtensteiner geben hierfür ein gutes Beispiel ab.

Letzte Änderung am Dienstag, 14 April 2020 19:13
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