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ifo-Chef Hans-Werner Sinn:

Prof. Sinn fordert Neustart für Euro-Zone!

Donnerstag, 15 Oktober 2015 15:26 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
Prof. Dr. Hans-Werner Sinn Prof. Dr. Hans-Werner Sinn

München - Nachdem bereits sein Buch „Die Target-Falle“ ein Verkaufsschlager wurde, da nicht allein fachlich fundiert, sondern ebenso auf der Höhe der Zeit, dürften die Erwartungen für das mehr als 500-seitige neue Buch „Der Euro“ des scheidenden ifo-Chefs Prof. Hans-Werner Sinn nicht geringer anzusetzen sein. Als Quintessenz des Werks kann die Feststellung gelten, daß der Euro mit dem Anspruch als Friedensprojekt gestartet ist, aber als Zankapfel endete, weshalb die Euro-Zone eines grundlegenden Neustarts bedürfe. H.-W. Sinn blickt jedoch auch über den allein währungspolitischen Horizont hinaus und mahnt an, daß Europa angesichts der Herausforderung durch Flüchtlingskrise und Kriege im Umfeld eine neue Perspektive brauche. Umso mehr spricht sich der renommierte Wirtschaftsprofessor deshalb gegen eine Schuldengemeinschaft aus, die Summen von derartigen Ausmaßen erfordern würde, welche sogar die stärksten Staaten noch überforderte.

Im Rahmen seiner Buchvorstellung sprach der ifo-Chef davon, daß die Verantwortlichen innerhalb der Euro-Zone „eine Art Reset-Knopf drücken“ müßten und die Gläubiger unter den Euroländern endlich von der Illusion Abschied zu nehmen hätten, daß die Krisenländer in der Lage wären, ihre Schulden zurückzuzahlen. Um den südeuropäischen Pleitestaaten wieder Luft zum Atmen zu geben, wie sich Sinn ausdrückte, käme man auch um Schuldenschnitte nicht umhin. Eine Aussage, die den IWF erfreuen dürfte, da dieser selbiges fordert, allerdings im Wissen aufgrund seiner Statuten selbst nicht davon betroffen zu sein. Als hauptsächlich betroffene Länder, die aus eigenem Zutun ihren Schuldenberg nicht bewältigen können, sieht Sinn Griechenland und Portugal. Aufgrund eines teils beachtlichen Privatvermögens in besagten Ländern empfiehlt Sinn, selbst solche Maßnahmen wie Zwangshypotheken oder Vermögensabgaben nicht auszuschließen. Allerdings betont Sinn, daß jegliche Maßnahme unnütz wäre, wenn nicht in erster Linie danach getrachtet würde, diese Länder wieder wettbewerbsfähig zu machen.

Die Empfehlung des ifo-Chefs ist eine „atmende Währungsunion“, worunter die Möglichkeit vorübergehender Austritte aus der Währungsunion zum Zwecke einer nationalen Währungsabwertung zu verstehen wären. Betreffend Griechenland machte Sinn deutlich, sei eine Wiedererlangung der Wettbewerbsfähigkeit innerhalb des Euro ausgeschlossen. Nordeuropa befindet sich nach Prof. Sinn in einer Haftungsfalle. Eindringlich warnt Sinn vor den derzeitigen Vorschlägen, die aus Frankreich kommen. Gemeinsame Arbeitslosenversicherung, europäisches Budget und gemeinsame Schuldenaufnahme seien Kennzeichen dafür, daß Frankreich sein Heil in einer Transferunion suche. Zur andauernden Flüchtlingskrise kritisierte Sinn scharf, daß die anderen EU-Staaten Deutschland in der Flüchtlingskrise jetzt hängen ließen, nachdem Deutschland bei der Euro-Rettung so viel geleistet habe.

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