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Überschätze Anlagemöglichkeit

Riester-Rente deutlich unattraktiver als vom Bundesfinanzministerium behauptet

Montag, 18 August 2014 16:47 geschrieben von  Torsten Müller
Nach Walter Riester benannt - die Riester-Rente Nach Walter Riester benannt - die Riester-Rente Quelle: Screenshot von www.walter-riester.de

Berlin - Seit Jahren steht die staatlich geförderte Riester-Rente in der Kritik. Intransparente und geringe Renditen sind die häufig genannten Hauptvorwürfe. Dazu kommt eine erhebliche Kostenstruktur.

Das Bundesfinanzministerium hatte nun eine Studie beim Berliner Institut für Transparenz (ITA), einer Schwester des Versicherungsanalysten Morgen & Morgen, in Auftrag gegeben, mit der die tatsächliche Kostenstruktur und –belastung  der Verträge einmal näher unter die Lupe genommen werden sollten. Ziel der Studie war, zu überprüfen, ob der Gesetzgeber die Kosten stärker beschränken muss, damit die Sparer überhaupt noch etwas davon haben.

Einer Nachprüfung dieser Studie zufolge liegen die jährlichen Erträge nach Kosten deutlich unter den versprochen 3,6 Prozent. Dies hat zur Folge, dass Sparer mit Tausenden Euro weniger zu rechnen haben, als ihnen eigentlich versprochen wurde.

Die Zahlen des ITA wurden seitens des Bundesfinanzministeriums nun zurückgezogen. Eine Studienleiterin des ITA musste nun einräumen: „Es hat sich leider herausgestellt, dass uns beim Einfügen der Ergebnisse aus unseren Berechnungstabellen in das Studiendokument bei den klassischen Rentenversicherungen ein Fehler unterlaufen ist.“ Die Kosten sind deutlich höher, wodurch die zu erwartende Rendite nicht bei 3,6 Prozent, sondern bei 2,89 Prozent liegt.

Das Produkt der Riester-Versicherung hat in den letzten Jahren so stark an Attraktivität verloren, sodass die Vertragszahlen im Jahr 2013 sogar erstmals rückläufig waren und um 100.000 Verträge zurückgegangen sind.

Aus dem Bundesfinanzministerium sind Töne zu vernehmen, die Schadensbegrenzung als Ziel vermuten lassen: „Es ist Aufgabe des Gutachters, nicht des Auftraggebers eines Gutachtens, alle Datengrundlagen eines Gutachtens auf ihre Richtigkeit zu überprüfen.“

Klarheit hat diese Entwicklung nun nicht mit sich gebracht. War die ITA-Studie lediglich ein Gefälligkeitsgutachten, das das Produkt Riester-Rente in einem besseren Licht dastehen lassen sollte? Oder ist es nicht viel mehr ein Beleg dafür, dass dieses Produkt in Gänze auf den Prüfstand gehört?

Bereits vor zwei Jahren hatte das ITA behauptet, dass sich Riestern lohne und dass bis zu sieben Prozent Rendite drin seien. Schon damals unterstellte der Bund der Versicherten (BdV) und die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg der Studie „schwere handwerkliche Mängel“. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg attestiert auch der neuen Studie methodische Ungeeignetheit: „Diese Studie ist nach meiner Auffassung vollkommen ungeeignet, um der Politik eine Entscheidungsgrundlage für ihre Regulierung zur Verfügung zu stellen.“ 

Letzte Änderung am Montag, 18 August 2014 17:13
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