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Zentralbank will westlichen Sanktionen trotzen

Russland im „Goldrausch“

Dienstag, 25 November 2014 14:24 geschrieben von  Enno-Martin Cramer

Magdeburg - Wegen der negativen Goldpreisentwicklung in den vergangenen Monaten hat die globale Nachfrage nach dem Edelmetall im dritten Quartal 2014 mit lediglich 929 Tonnen ihren niedrigsten Stand seit fast fünf Jahren erreicht. Bei einigen Notenbanken ist indes ein gegenteiliger Trend zu beobachten, denn sie stockten ihre Bestände in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres um 93 Tonnen auf. An der Spitze der Nachfrager steht Russland mit 55 Tonnen.

Die russische Zentralbank will mit den Goldkäufen den westlichen Sanktionen trotzen. Insgesamt stockte die Bank Rossii ihre Bestände in diesem Jahr schon um 150 Tonnen auf. Das ist doppelt so viel wie jeweils in den beiden Vorjahren. Allein im Oktober dieses Jahres kaufte der russische Staat 35 Tonnen des krisensicheren Edelmetalls, womit Notenbankchefin Elwira Nabiullina den größten monatlichen Zuwachs seit 1998 verkünden konnte.

Nach einer Analyse des „Handelsblattes“ hat Moskau momentan gleich drei Probleme gleichzeitig zu bewältigen: „Aufgrund der Ukraine-Krise misstrauen Investoren dem Land, sie haben in diesem Jahr mehr als 85 Milliarden Dollar abgezogen. Indes können sich Russlands größte Unternehmen wegen der Sanktionen nur beschränkt am westlichen Kapitalmarkt refinanzieren, um ihre Dollar-Kredite zu begleichen. Zusätzlich ist der Ölpreis seit Juli um rund 30 Prozent gesunken und mit ihm die Erträge des russischen Staates aus Ölexporten. Das alles schwächt den Rubel: Die russische Währung hat seit Neujahr 30 Prozent zum Dollar verloren.“

Finanzminister Anton Siluanow schätzt, dass bis Ende des Jahres rund 130 Milliarden Dollar an Kapital aus Russland abgeflossen sein werden. Durch die Abwertung des Rubels mussten die großen Banken des Landes hohe Wertberichtigungen ihrer Forderungen vornehmen, was zu massiven Gewinneinbrüchen führte. So ist der Nettogewinn der bedeutenden Moskauer Universalbank VTB im dritten Quartal um 98 Prozent eingebrochen. In diesem Jahr hat das Geldhaus nur umgerechnet magere 85,25 Millionen Euro Profit gemacht.

Die größten russischen Institute wie VTB, die Rosbank oder die Sberbank können wegen der Sanktionspolitik Washingtons und Brüssels momentan nur für maximal 30 Tage Kredite am westlichen Kapitalmarkt aufnehmen. Zum 1. Oktober 2014 hatten russische Banken nach Angaben der Bank Rossii rund 192 Milliarden Dollar Schulden im Ausland, rund ein Viertel davon ist binnen eines Jahres fällig. Hinzu kommt, dass ein großer Teil der Einlagen Unternehmen wie Gazprom oder Rosneft gehört, die ebenfalls von den Sanktionen betroffen sind und dringend Geld benötigen, um ihre Dollar-Kredite begleichen zu können. Die Banken rufen daher erneut nach staatlicher Hilfe.

Diese will ihnen Moskau auch gewähren, weshalb die Bank Rossii mit Goldkäufen gegenzusteuern versucht. Während die russische Zentralbank in diesem Jahr schon 86 Milliarden Dollar in Rubel umgetauscht hat, wodurch ihre internationalen Währungsreserven um knapp ein Fünftel zurückgingen, steigerte sie den Anteil von Gold an ihren Reserven auf aktuell elf Prozent. Damit zog Russland an China und der Schweiz vorbei und befindet sich mit 1185 Tonnen nun auf Platz fünf der Länder mit dem größten Goldbesitz. Seit 2008 hat Russland seinen Goldbestand beinahe verdreifacht.

Bis zur Ukraine-Krise verkauften sibirische Goldminen ihre Ware zumeist an russische Banken, die ihr Geschäft mit dem Export des Goldes machten. Nun springt die Zentralbank ein, um der heimischen Wirtschaft unter die Arme zu greifen. Die schwache globale Nachfrageentwicklung beim Gold kommt Russland damit sehr gelegen. Schon bald könnte weltweite Nachfrage nach Gold allerdings wieder massiv angekurbelt werden. Am kommenden Sonntag haben die Schweizer in einer Volksabstimmung zu entscheiden, ob die Nationalbank der Eidgenossenschaft ihren Goldanteil an den Gesamtreserven auf ein Fünftel aufstocken soll. In diesem Fall müsste die Schweiz ihren jetzigen Goldanteil nahezu verdreifachen.

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