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Razzia in der Genfer Filiale

Schweizer Justiz ermittelt gegen die HSBC

Freitag, 20 Februar 2015 23:05 geschrieben von  Enno-Martin Cramer
Logo der HSBC Logo der HSBC

Genf - Nach den „Swiss Leaks“-Enthüllungen haben Schweizer Ermittler die Räume der HSBC-Niederlassung in Genf durchsucht. Zugleich leitete die Staatsanwaltschaft nach Angaben der Justizbehörde des Kantons Genf ein Strafverfahren wegen des Verdachts auf schwere Geldwäsche gegen die HSBC Private Bank Suisse ein.

Die Ermittlungen könnten auch auf Einzelpersonen ausgeweitet werden, wenn der Verdacht bestehe, dass diese über ihre Bankkonten Geld gewaschen haben oder daran beteiligt waren, erklärte die Staatsanwaltschaft. Der HSBC drohen allein schon deshalb juristische Konsequenzen, weil sie Verstöße von Angestellten nicht durch geeignete Maßnahmen verhindert habe.

Mit der Untersuchung wolle man klären, ob die in den Medien erhobenen Vorwürfe gegen die HSBC zutreffend seien, erklärte Staatsanwalt Olivier Jornot im Schweizer Fernsehen. Ein Sprecher der Bank erklärte hingegen, dass man seit langem mit den Ermittlungsbehörden zusammenarbeite. Die HSBC, die sich kürzlich mit ganzseitigen Zeitungsanzeigen in britischen Blättern für ihre Verfehlungen entschuldigte, sieht die Sache als erledigt an, da man die Konten von Steuersündern geschlossen und den Skandal aufgearbeitet habe, nachdem sich der frühere HSBC-Mitarbeiter Hervé Falciani mit den Daten von rund 130.000 Kunden nach Frankreich abgesetzt und sie den dortigen Steuerbehörden übergeben hatte. Inzwischen sei die Bank radikal umgebaut worden, so der HSBC-Sprecher.

Allerdings befindet sich die HSBC nicht nur in der Schweiz im Visier der Behörden. Untersuchungen laufen ebenso in den USA, in Großbritannien und in Belgien. Dort war die Bank erst nach der Androhung internationaler Haftbefehle gegen leitende Manager zur Zusammenarbeit mit den Behörden bereit. Auch Österreich ersuchte die französische Regierung um Amtshilfe wegen mutmaßlicher HSBC-Schwarzgeldkonten bei HSBC. In Frankreich sind die Ermittlungen gegen die Bank hingegen abgeschlossen. Ob es zum Prozess gegen die britische Großbank kommt, wird sich innerhalb der nächsten drei Monate entscheiden.

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