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Finanzmarkt und Mondkalenderregel

Sind Herbstdepressionen an der Börse ein kalendarisches Phänomen?

Mittwoch, 15 Oktober 2014 05:22 geschrieben von  Hans Driesch

Frankfurt am Main - Der Oktober ist unter Anlegern gefürchtet: Die wohl zwei schlimmsten Kursstürze in der Geschichte der Aktienmärkte fallen auf diesen Monat. Da ist zum einen der Börsenkrach an der Wall Street zu nennen, der im Oktober 1929 die Weltwirtschaftskrise einläutete, und der berühmte „Schwarze Montag“ vom 19. Oktober 1987, an dem der US-Leitindex an einem einzigen Tag 22,6 Prozent verlor, was bis heute den größten prozentualen Tagesverlust in der Geschichte dieses Börsenbarometers darstellt. Beide Crashs verliefen sehr unterschiedlich: Die Kursverluste in der letzten Oktoberwoche des Jahres 1929 zogen sich über mehrere Tage hin, es gab einen „Schwarzen Mittwoch“ am 23. Oktober 1929, der die Talfahrt einläutete, auf diesen folgte ein „Schwarzer Donnerstag“ und ein „Schwarzer Montag“ (mit dem höchsten Tagesverlust in dieser Serie von fast 13 Prozent), bis am „Tragic Tuesday“, dem 29. Januar 1929, dann nochmals ein finaler Abverkauf mit einem weiteren Tagesverlust von fast 12 Prozent folgte. Der 1987er-Börsenkrach hingegen war ein Ein-Tages-Ereignis ohne größere Auswirkungen auf die Realwirtschaft, und schon 15 Monate nach dem „Schwarzen Montag“ hatte der Dow Jones sein Ausgangsniveau, von dem aus er zu fallen begonnen hatte, wieder erreicht.

Eine merkwürdige Koinzidenz gibt es jedoch zwischen den beiden Ereignissen: Sowohl der 29. Januar 1929, der als „Tragic Tuesday“ in die Geschichte einging, als auch der 19. Oktober 1987 fallen nach dem Mondkalender auf das gleiche Datum, nämlich 6 Monate und 28 Tage (6 28) nach dem ersten Neumond nach Frühlingsanfang. Der amerikanische Autor Christopher Carolan machte auf diesen Zusammenhang in einem Aufsatz aufmerksam, der schon im Jahr 1998 erschien, und der damals von der Vereinigung technischer Analysten in den USA ausgezeichnet wurde. Tatsächlich gibt Carolan den Lesern seines Aufsatzes den Rat, kalendarische Phänomene sowohl des Sonnen- als auch des Mondkalenders bei den Anlageentscheidungen mitzuberücksichtigen, und bezeichnet die Treffgenauigkeit solcher kalendarischer Einflüsse als „bemerkenswert“. Obwohl der deutsche Leitindex DAX in den vergangenen beiden Wochen schon gut 11 Prozent verloren hat, würde ihm nach Carolans „Mondkalenderregel“ das Schlimmste noch bevorstehen: Der Tag 6 – 28 fällt in diesem Jahr nämlich auf den 20. Oktober 2014. Ob man solche Überlegungen als reinen Hokuspokus abtun sollte, oder ob es doch kalendarische Zyklen auch an den Kapitalmärkten gibt, das muss freilich jeder Leser für sich selbst entscheiden.

Carolans Aufsatz im Original:

www.mta.org/eweb/docs/1998DowAward.pdf

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