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Russische Zentralbank greift ein

Stützungskäufe sollen Rubel stabilisieren

Samstag, 06 Dezember 2014 21:26 geschrieben von  Enno-Martin Cramer
Rubel Rubel Quelle: wikipedia.org

Magdeburg - Die in die Kritik geratene russische Notenbank hat damit begonnen, den gegenüber Dollar und Euro unterbewerteten Rubel mit Stützungskäufen zu stabilisieren. Wie die Bank Rossii bestätigte, hat sie allein am vergangenen Montag am Markt 700 Millionen ihrer Dollar-Währungsreserven in Rubel eingetauscht. Am Mittwoch verbilligte sich der Dollar dann binnen Minuten um bis zu zwei Prozent auf 52,75 Rubel, nachdem er am Morgen noch auf einem Rekordhoch von 54,91 Rubel stand. hatte. Zum Wochenende schloss der Dollar mit 52,67 Rubel.

Die Furcht vor einer erneuten Schwächung der russischen Wirtschaft hatte die Talfahrt des Rubels zuletzt beschleunigt. Der jetzige Eingriff ist die erste Intervention, nachdem die Zentralbank entschieden hatte, den Wechselkurs dem Spiel der Marktkräfte zu überlassen. Ein schwacher Rubel ist jedoch nicht allein ein russisches Problem. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ schrieb dazu unlängst: „Die Schwäche des Rubel strahlt auf die Nachbarstaaten aus. Von Abwertungen waren unter anderem die Währungen von Kasachstan, Armenien, Weißrussland und der Ukraine betroffen. Die Wirtschaftsentwicklung in diesen Ländern ist empfindlich für Veränderungen in der russischen Wirtschaft. Bis vor einem Monat hatte die Bank von Russland den Außenwert des Rubel an einen Korb aus Euro und Dollar gebunden. Nunmehr gibt es keine offiziellen Zielkurse mehr.“

Die führenden westlichen Banken gehen mittlerweile davon aus, dass es bis zum Ende des kommenden Jahres keine größere Abwertung der russischen Währung mehr geben wird. Die französische Großbank BNP Paribas erwartet langfristig einen Wechselkurs zum Dollar von etwa 53 Rubel, die US-amerikanische Citigroup geht von rund 51 Rubel aus. Andere gehen sogar von einer deutlichen Aufwertung der Währung gegenüber dem Dollar aus. So sagen die Analysten von JP Morgan Chase einen Kurs von 46 und die Experten der Lloyds Bank einen Kurs von 41 Rubel voraus.

Die leichte Erholung des Rubels kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zeichen an den Wertpapiermärkten auf Baisse stehen. Die Preise für russische Staatsanleihen in Rubel und Dollar befinden sich weiterhin in freiem Fall, die Papiere rentieren teilweise mit sechs bis zehn Prozent. Seit Jahresanfang hat nur die ukrainische Börse schlechter abgeschnitten als der Moskauer Handelsplatz. Die russische Regierung erklärte unterdessen, sie erwarte wegen der westlichen Sanktionen und stark fallender Ölpreise einen Konjunktureinbruch. Das Bruttoinlandsprodukt werde demnach im kommenden Jahr voraussichtlich um 0,8 Prozent schrumpfen.

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