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Edelmetallmarkt als Krisenindikator?

Staatliche Goldnachfrage: Nicht nur Rußland deckt sich massiv mit Gold ein

Samstag, 02 Mai 2015 14:07 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
Staatliche Goldnachfrage: Nicht nur Rußland deckt sich massiv mit Gold ein Quelle: pixabay.com

Frankfurt am Main - Die volatilitätsbezogene 100-Tage-Risikokennzahl binnen der vergangenen sechs Monate nahm beim WTI-Rohöl von 11 auf 49 % zu, während sie beim Gold die 17 % nicht überstieg. Und auch die sogenannte Vola des DAX auf der 250-Tage-Basis liegt mit 17 % gegenüber den diesbezüglichen 14 % des Goldes höher als das Edelmetall. Nicht zu vernachlässigen, daß die Blue Chips der im deutschen Leitindex gelisteten Unternehmen aufgrund ihrer Höchststände der letzten Zeit absehbar ein naheliegendes Korrekturpotential in sich bergen. Somit wird Gold hinsichtlich Volatilität im Vergleich zu anderen Anlageklassen wieder interessant. Doch nicht allein aus Perspektive der Privatinvestoren, sondern auch staatspolitisches Kalkül hat das Gold in den Blick genommen. Laut IWF erfolgte allein im März über die Zentralbanken ein Nettoerwerb von etwa 33 Tonnen Gold weltweit. Mit ca. 29.000 Tonnen Goldbestand halten die Nationen den seit über 12 Jahren höchsten Stand, während im selben Zeitraum ein globaler Rückgang der Devisenreserven stattfand. Ein Abschmelzen der Devisenreserven in dem Ausmaß wie es seit etwa einem Jahr zu beobachten war, gab es letztmalig im Jahr 2008 als sich die Finanzkrise Bahn brach. Seit Sommer letzten Jahres sanken die weltweiten Devisenreserven in US-Dollar gerechnet um ungefähr eine halbe Billion.

Der Fondsmanager Ronald Stöferle bezeichnete Gold als monetäres Rückgrat für jede Währung. Hinter den Umschichtungen von Devisen in Gold stehen aber oftmals auch knallharte geopolitische Absichten, nicht selten mit Blick auf eine Reduzierung der Abhängigkeit von der Weltleitwährung Dollar. Zu beobachten ist dies gerade auch im Zuge des neu aufgeflammten „kalten Krieges“ am Verhalten Rußlands, das sich vermutlich für den Fall länger andauernder westlicher Sanktionen seine Handlungsfähigkeit mittels der Alternativwährung Gold erhalten will. Seit Ausbruch der Ukraine-Krise baute Rußland seine Devisenreserven um etwa ein Drittel ab und hob seinen Goldanteil am Staatsschatz auf 14 % an. Das Land hat seine Goldreserven innerhalb eines Jahrzehnts mehr als verdreifacht, allein im März erweiterte der Kreml seine Goldreserven um ca. 30 Tonnen. Auch Weißrußland erweitert seine Goldbestände und das rohstoffreiche Kasachstan deckt seinen Staatsschatz derzeit mit sogar bereits 27 %. Besonders interessant wird das anstehende Verhalten Chinas auf dem Edelmetallmarkt zu beobachten sein. Der gelbe Riese ist ebenfalls im Begriff, sich seiner US-Staatspapiere zu entledigen, weist allerdings laut IWF bislang gerade einmal eine einprozentige Golddeckung seines Staatsschatzes auf. Wenn Rußland und beginnend auch China in größerem Maße Dollarreserven in Gold umschichten, kann dies nicht ohne Auswirkungen bleiben. Der Datenanbieter Bloomberg Intelligence behauptete bereits heimliche Goldankäufe Chinas.

Vom Silber, dem kleinen Bruder des Goldes ist zwar kaum etwas in der Mainstream-Berichterstattung zu vernehmen, doch immerhin war zu hören, daß Amerikas größte „To-Big-to-Fail-Bank“ JP Morgan Chase seinen Silberbestand in den vergangenen drei Jahren mehr als verelffacht haben soll. Allein in den letzten zwei Wochen war vom Ankauf von über 8,3 Millionen Unzen Silber die Rede. - Nicht auszuschließen, daß dem physischen Edelmetall tatsächlich glänzende Aussichten bevorstehen.

Mesut Pazarci und Oskar Berberich von der PIM Gold- und Scheideanstalt GmbH (Heusenstamm) sehen in physischem Gold weiterhin die sicherste Kapitalanlage. "Gold verliert seinen Glanz nie!"

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