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Beeindruckende Investitionen

Thomas Oliver Müller (Deutsche Finance) und Michael Shvo erwerben Transamerica Pyramid

Mittwoch, 04 November 2020 18:04 geschrieben von 
Thomas Oliver Müller (Deutsche Finance) und Michael Shvo erwerben Transamerica Pyramid Quelle: DF Deutsche Finance Group

San Francisco – Von allen architektonisch auffälligen Gebäuden San Franciscos nimmt die Transamerica Pyramid mit ihren 48 Stockwerken in 260 Metern Höhe eine Sonderstellung ein. Zunächst lehnten die Anwohner das imposante Bauwerk ab, weil sie glaubten, es passe nicht ins viktorianisch geprägte Stadtbild. Heute ist das Gebäude im Financial District das unbestrittene Wahrzeichen der Westküsten-Metropole. Der pyramidenartige Bau war einer der ersten Wolkenkratzer der Stadt überhaupt, weil deren Bau zuvor wegen der großen Erdbebengefahr verboten war. Die erdbebensichere Büropyramide entstand in den Jahren von 1969 bis 1972 nach den Plänen des Architekten William Pereira. Beim Erdbeben von 1989 zeigte sich, wie sicher er sein Riesengebäude tatsächlich konstruiert hatte. In der obersten Etage der Transamerica Pyramid, die nur noch ein Elftel der Parterre-Fläche hat, befindet sich ein Konferenzraum mit einem grandiosen 360-Grad-Blick auf die Bucht von San Francisco. Die aluminiumverkleidete Spitze erhebt sich fast 64 Meter über das oberste Geschoss und ist nachts hell erleuchtet.

 

Bis zur Fertigstellung des Salesforce Towers im Jahr 2018 war die Transamerica Pyramid das höchste Gebäude San Franciscos. Lange Zeit diente es als Hauptsitz des amerikanischen Finanzdienstleisters Transamerica Corporation, der den Bau auch in Auftrag und ihm den Namen gab.1999 ging das Hochhaus dann ins Eigentum des niederländischen Versicherungskonzerns Aegon über, als der die Transamerica Corporation übernahm. In diesen Tagen sorgt ein neuer Eigentümerwechsel für Schlagzeilen: Der Versicherungskonzern aus den Niederlanden hat die Top-Immobilie, an der er weiterhin die Namensrechte hält, für 650 Millionen US-Dollar veräußert. Käufer des unverwechselbaren Komplexes aus insgesamt drei Gebäuden – der Pyramide selbst, zwei Büroimmobilien und einem weiteren Grundstück – sind Michael Shvo und die Investmentgesellschaft Deutsche Finance America.

Shvo ist ein Immobilieninvestor mit Sitz in New York City und Niederlassungen in London und Dubai sowie CEO des Immobilienentwicklers SHVO. Das „Manager Magazin“ nannte Michael Shvo im Februar dieses Jahres einen „Herren der Wolkenkratzer“ und beschrieb ihn als regelrechte Legende der US-Immobilienbranche, der auch schon mal schlagzeilenträchtige Kunstprojekte starte, um die gewünschte Aufmerksamkeit für seine Investments zu bekommen. Über den Mann, zu dessen Portfolio nun anteilig die Transamerica Pyramid gehört, schrieb die Wirtschaftszeitschrift: „Der New Yorker Immobilieninvestor Michael Shvo sammelt Wolkenkratzer wie andere Modelleisenbahnen und pflegt einen Lebensstil, der an US-Serien aus den 90ern erinnert.“

Die Deutsche Finance America (DFA) mit Sitz in Denver ist die amerikanische Private-Equity-Plattform für Immobilien der in München ansässigen Deutsche Finance Group. Ihre Aufgabe ist die Einbeziehung von US-Immobilien in internationale Wertschöpfungsstrategien, um für Anleger hohe risikobereinigte Renditen zu erzielen. Die Investmentgesellschaft von Thomas Oliver Müller bietet Zugänge zu exklusiven Kapitalanlagen in den Bereichen Private Equity Real Estate, Immobilien und Infrastruktur. Derzeit verwaltet der deutsche Finanzkonzern Kundengelder in Höhe von 6,9 Milliarden Euro. Mit Niederlassungen in Denver, London, Zürich, Luxemburg und Madrid verfügen die unternehmenseigenen Asset Management Teams über ein großes Netzwerk mit institutionellen Marktteilnehmern im Immobiliensektor. Insbesondere über sogenannte Club-Deals will man Anlegern Prime-Investments mit großem Wertsteigerungspotenzial anbieten. 

Der Immobilien-Deal von Shvo und DFA in Höhe von 650 Millionen Dollar ist laut Medienberichten die größte kommerzielle Transaktion in den USA seit Ausbruch der Covid-19-Pandemie. Michael Shvo äußerte dazu selbstbewusst: „Es ist ein klassisches Gebäude für alle Zeiten, das den zukunftsweisenden Geist der Bay Area widerspiegelt. Wir sind begeistert, dieses Anwesen in seine nächste Renaissance zu führen.“ Das Gebäude soll grundlegend renoviert werden, ohne dadurch seine Eigenheiten einzubüßen. 

Dabei hilft auch die finanzstarke Bayerische Versorgungskammer (BVK) als Mitinvestor. Die Deutsche Finance America und Shvo haben den Gebäudekomplex Transamerica Pyramid nach eigenen Angaben „gemeinsam für ein institutionelles Joint Venture um die Bayerische Versorgungskammer“ erworben. Die betreibt als größte öffentlich-rechtliche Versorgungsgruppe Deutschlands die Geschäfte von zwölf berufsständischen und kommunalen Altersversorgungseinrichtungen, die Leistungen der Alters-, Berufsunfähigkeits- und Hinterbliebenenversorgung erbringen. Kernaufgabe der BVK ist neben der Betreuung der 2,4 Millionen Versicherten und Versorgungsempfänger die ertragreiche Vermögensanlage für ihre Versorgungseinrichtungen. Die Versorgungskammer des Freistaates Bayern, der sich übrigens auch Berufsangehörige aus anderen Bundesländern anschließen können, erzielt rund fünf Milliarden Euro an jährlichen Beitrags- und Umlageeinnahmen und leistet fast 3,6 Milliarden Euro an jährlichen Rentenzahlungen. Für alle ihre Einrichtungen verwaltet die BVK ein Kapitalanlagevolumen von 81,7 Milliarden Euro. 

Die Transamerica Pyramid stand nach einem Bericht des englischsprachigen Wirtschaftsmagazins „Forbes“ seit August 2019 zum Kauf. Das höchste Gebot, das sich auf 711 Millionen Dollar belaufen habe, sei erstmals im Februar dieses Jahres gemeldet worden. Dann hätten anscheinend die Begleiterscheinungen der Corona-Krise den Abschlussprozess verzögert und zudem Turbulenzen auf dem gewerblichen Immobilienmarkt zu der erheblichen Preissenkung von 61 Millionen Dollar geführt. Für 650 Millionen Dollar griffen dann die Deutsche Finance America und Michael Shvo zu. Beide Marktakteure befanden sich in letzter Zeit auf gezielter Einkaufstour und sollen in den vergangenen zwei Jahren für den Erwerb von neun Immobilien Milliarden von Dollar eingesetzt haben. „Dazu gehören Big Red in Chicago (für 376 Millionen Dollar), das Raleigh Hotel in Miami (103 Millionen Dollar) und 9200 Wilshire Boulevard in Beverly Hills (130 Millionen Dollar)“, zählt „Forbes“ auf.

Die Deutsche Finance America spricht in diesem Zusammenhang von einem „proaktiven Vermögensmanagement“. Zur Mehrung von Vermögenswerten arbeite man mit seinen Partnern an der planvollen Entwicklung von Immobilienstandorten. Die DFA investiert in alle Immobilienarten, ist allerdings auf betriebsintensive Sparten wie Gastgewerbe, Studentenunterkünfte, Mehrfamilienhäuser und Spezialbüros spezialisiert. Bei alldem bedient sie einen internationalen institutionellen Kundenstamm, zu dem Pensionsfonds, Versicherungsunternehmen, Finanzinstitute, Family Offices, aber auch europäische Privatanleger gehören. Der Komplex der Transamerica Pyramid, der sich auf drei Gebäude mit mehr als 700.000 Quadratmetern Bürofläche erstreckt, soll zu einer „echten urbanen Oase“ weiterentwickelt werden. Man führe einen umfassenden Renovierungsplan durch, „der die Pyramide und den Redwood Park restaurieren und den Mietern im 21. Jahrhundert auf dem begehrtesten Gateway-Markt des Landes verbesserte Mieterlebnisse bieten wird“.

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