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Reicht das aus?

US-Notenbank will Großbanken schärfere Kapitalvorschriften auferlegen

Samstag, 13 Dezember 2014 02:40 geschrieben von  Enno-Martin Cramer
Seal of the Federal Reserve System Seal of the Federal Reserve System Quelle: U.S. Government - Extracted from PDF version of the Federal Reserve's Purposes & Functions document

Magdeburg - Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat schärfere Kapitalvorschriften für die acht größten Banken des Landes, denen eine „systemische Bedeutung“ („too big to fail“) beigemessen wird, vorgeschlagen. Demnach sollen künftig 1 bis 4,5 Prozent zusätzliches Kapital auf risikogewichtete Aktiva fällig werden, um eventuelle Verluste stärker abzufedern und zu verhindern, dass die Großbanken im Falle einer neuerlichen Finanzkrise mit Staatsgeldern gerettet werden müssen.

Die Forderung der Fed geht damit über die Vorgaben von 1 bis 3,5 Prozent hinaus, die von internationalen Aufsichtsbehörden (Basel III) verankert worden sind. Sollten sich die US-Notenbanker mit ihrem Vorschlag durchsetzen, würde dies bedeuten, dass einige der großen Institute eine Kernkapitalquote von bis zu 11,5 Prozent der Risikoaktiva vorhalten müssten.

Aktuell würden die Bank of America, die Citigroup, Goldman Sachs, Morgan Stanley, Wells Fargo, die Bank of New York und State Street wohl die verschärften Forderungen erfüllen. Einzig JP Morgan Chase müsste etwa 22 Milliarden Dollar an frischem Kapital aufbringen, um den Fed-Regeln gerecht zu werden. Bekannt wurde dies nur, weil sich der stellvertretende Zentralbankchef Stanley Fischer in einer öffentlichen Sitzung verplappert hatte.

Die Lobbyisten der Finanzindustrie reagierten erwartungsgemäß verschnupft auf die Ankündigung der Fed. Sie befürchten, dass die die Wettbewerbsfähigkeit der US-Banken dadurch geschwächt würde. „Amerikanische Banken schärferen Kapitalanforderungen zu unterwerfen als unsere globalen Wettbewerber, könnte eine verfehlte wirtschaftliche Entscheidung sein“, so Richard Foster vom Financial Services Roundtable. Marianne Lake, Vorstandsmitglied von JP Morgan Chase, zeigte sich gegenüber der „New York Times“ hingegen gelassen und erklärte, dass ihre Bank die neuen Anforderungen mit lediglich „kosmetischen“ Veränderungen erfüllen könne.

Das „Wall Street Journal“ gab indes zwischen den Zeilen wichtige Hinweise an den Finanzsektor. „Zwar müssten die Banken keine größeren Mengen an Kapital aufnehmen. Doch das derzeit vorhandene Kapital reicht gerade einmal für die Zukunftsaufgaben aus. Anders ausgedrückt: Das vermeintliche Überschusskapital, von dem Bankenmanager in den vergangenen Jahren gesprochen haben und das an die Aktionäre hätte ausgeschüttet werden können, scheint eine Fata Morgana zu sein“, so das einflussreiche Blatt.

Hinzu komme, so das „Wall Street Journal“ weiter: „Auch wenn die meisten Banken die strikteren Vorgaben der Fed erfüllen, so dürften die Institute wohl einen Puffer zwischen aktueller Kapitaldecke und regulatorischem Minimum aufbauen wollen. Die Anteilseigner großer Banken sollten sich somit mit Blick auf künftige Beteiligungen nicht allzu viele Hoffnungen machen. Und sollten Banken größer und stärker miteinander verbunden werden, so würden die zusätzlichen Belastungen noch stärker steigen.“ Letztendlich gebe es für die Banken einen Ausweg: „Wenn sie ihre Abhängigkeit von kurzfristiger Finanzierung sowie ihre Verbindungen zu anderen systemisch relevanten Banken oder ihre Größe reduzieren, dann könnten auch die Belastungen sinken.“

Ob der von der Fed vorgeschlagene zusätzliche Kapitalpuffer ausreichen wird, um eine Aufwendung der Gelder der Steuerzahler zur Rettung von Banken zu verhindern, dürfte sich erst in einer neuen Krise zeigen. Der Fall der Hypothekenriesen Fannie Mae und Freddie Mac, die 2008 vom Staat mit der gigantischen Summe von 188 Milliarden Dollar gerettet wurden, hat gezeigt, mit welchen Dimensionen man es hier zu tun hat.

Letzte Änderung am Samstag, 13 Dezember 2014 02:53
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