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„Einmal Kaffee ohne Antirassismuskeule, bitte!“

US-Starbucks-Kampagne nach massiver Kritik eingestampft

Mittwoch, 25 März 2015 19:07 geschrieben von 
Logo von Starbucks Logo von Starbucks Quelle: pixabay.com

Magdeburg - Wer auf dem Weg zur Arbeit in der vergangenen Woche noch schnell einen ohnehin völlig überteuerten, dafür aber gewissenberuhigenden Fair-Trade-Kaffee zum Mitnehmen bei Starbucks kaufen wollte, erhielt in Amerika – nach einer Lektion in Geduld aufgrund der langen Schlangen – eine Extraportion Antirassismus. Diese vertrug sich jedoch derart schlecht mit dem, was die Kunden wünschten, dass die Aktion ganz schnell wieder abgesagt wurde.

Es war so gut gemeint, was sich der CEO von Starbucks, Howard Schultz, in seinem Büro ausgedacht hatte: Angesichts der furchtbaren Rassenunruhen in der Kleinstadt Ferguson im US-Bundesstaat Missouri würde seine Kaffeehauskette nicht unberührt mit dem Tagesgeschäft fortfahren. Stattdessen würden die Mitarbeiter in den 12.000 Filialen eine Debatte anstoßen, die ganz Amerika zum Denken bringen würde. Vielleicht würde man in den Schulbüchern in einigen Jahren noch davon lesen können, wie der Kaffeekonzern einst den seit Jahrhunderten existierenden Rassismus in den Vereinigten Staaten besiegte. Ganz nebenbei und wie selbstverständlich würden seine Mitarbeiter dem Kunden nicht nur den gewünschten Kaffee überreichen, sondern dazu noch eine ganz persönliche Botschaft und einem Gesprächsangebot für jeden Einzelnen: „Race together“ - handschriftlich neben den Namen des Kunden geschrieben.

Man stelle sich vor, man will auf dem Weg zur Arbeit noch schnell in ein Kaffeegeschäft, um die Müdigkeit und das dumpfe Gefühl im Kopf, der wiedermal im Bett geblieben zu sein scheint, durch eine große Portion Koffein zu verscheuchen – beziehungsweise möchte noch schnell in diesen Laden gehen. Man kann es aber nicht, weil die dem Starbuckskonsumenten bekannte Schlange sich an diesem Morgen verdreifacht hat. Besorgt schwankt man zwischen dem sehnsüchtigen Gefühl nach dem braunen Muntermacher und der rasend voranschreitenden Zeit, an die leider die Abfahrt der Bahn gekoppelt ist. Wider aller Vernunft reiht man sich ein, den Blick stets auf die Zeiger der Uhr gerichtet, um dann endlich -mit der Laune bereits weit unterhalb des normalen Morgentiefs- von einer studentischen Bedienung beim Überreichen des kostbaren Kaffees ebendiesen vor der Nase weggezogen zu bekommen und  stattdessen einen Hieb mit der Antirassismuskeule erhält, verbunden mit der Einladung, der Morgen sei so schön, ob man nicht mal über das Thema Rassismus reden wolle. Schließlich sei das wichtig, die Diskussion dulde keinen Aufschub und werde viel zu wenig in der amerikanischen Gesellschaft offen angesprochen. Ob man sich einreihen wolle, unter all jene, die durch ihr Nichtstun glänzen --- währenddessen tickt die Uhr, man hört die Bahn bereits mit quietschenden Geräuschen einfahren, das rechte Augenlid zuckt, der Koffeinentzug quält – und die Verkäuferin lächelt ihr gutmenschlichstes Lächeln in Seelenruhe.

Zwar gibt es keine Erhebungen darüber, wie oft die Kunden ihren Gewaltfantasien in diesem Moment nachgaben und wie viele der freundlich lächelnden Bedienungen den eben frisch gebrühten Kaffee über den Kopf geschüttet bekamen oder nun mit ausgekratzten Augen oder abgerissenem Kopf im Starbucks servieren, die Aktion wurde aber dennoch aufgrund der massiven Kritik und der mindestens genauso oft geäußerten Häme am Sonntag beendet.

Einstimmig heißt es aus den Mündern der Kritiker: Kaffee bitte ohne Debatte! Schluss mit den moralischen Botschaften! Schließlich kauft bei Starbucks doch nur, wer ohnehin ein Gutmensch ist – und das nötige Kleingeld hat, sich den überteuerten Fair-Trade-Kaffee täglich leisten zu können. Andere plädierten für die Umbenennung einiger Getränke: Neben dem „großen, weißen, privilegierten Macchiato“ wünschten sich die Kunden demnach einen „Malcom X-presso“.

Schultz sieht in der Reaktion im Übrigen seine Ansichten bestätigt: „Die Diskussion wird ignoriert, weil die Leute Angst haben, sich damit auseinanderzusetzen. Also müssen wir reden.“ Der Kampf gegen Rassismus werde fortgesetzt.

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