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Federal Reserve-Strategie:

US-Zinserhöhung im Dezember? Liegt der Grund in China?

Donnerstag, 29 Oktober 2015 20:00 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
China China

Frankfurt am Main - Nach der Sitzung des Offenmarktausschusses der Federal Reserve am Mittwoch kam es zwar noch nicht zu einer seit längerem in Rede stehenden Zinswende, doch die ausdrückliche Erwähnung, mit Blick auf die nächste Sitzung die Prüfung einer strafferen Geldpolitik vorzunehmen, darf wohl als ein sehr deutliches Signal gewertet werden. Dies wäre seit 2006 die erste Zinserhöhung der US-Notenbank, die seit Herbst 2008 den Leitzins mit dem Rekord-Tief von 0,25 % nahe bei der Nulllinie hält.  Darüber hinausgehend wurde über die Quantitative Ease-Politik der Markt mit etwa zwei Billionen Dollar geflutet, um die Wirtschaft zu stimulieren. Um allerdings die Gefahren einer Geldentwertung und/oder von Preisblasen einzudämmen, muß den Gelddruckmaschinen irgendwann auch wieder Einhalt geboten werden. Über diesen Zeitpunkt wurde im Laufe dieses Jahres bereits mehrfach öffentlich spekuliert.

Zudem erregte aber eine Auffälligkeit im Begleittext zu Janet Yellens Mitteilung die Aufmerksamkeit der Medien: Die US-Währungshüter strichen im Vergleich zum vormaligen Text eine Passage, mit der sie noch im September auf die aus dem Ausland drohenden Gefahren für die US-Wirtschaft hingewiesen hatten. Diese scheinen wohl plötzlich nicht mehr gegeben zu sein... Darüber hinaus entspricht die Inflationsrate keineswegs dem Niveau, das die FED bislang als unabdingbare Vorbedingung für eine Zinserhöhung nannte. Auch gab es zuletzt schwächere Daten vom Arbeitsmarkt, nachdem die Job-Zuwächse im vergangenen Monat die gehegten Erwartungen nicht erfüllten. Somit stellt sich die Frage, ob nicht eine völlig anders geartete strategische Absicht als offiziell verlautbart verfolgt wird? Angesichts einer möglichen konjunkturellen Verlangsamung in China könnte die FED auf dem Wege der Zinserhöhung Chinas Volkswirtschaft beeinträchtigen. Nur wären davon sämtliche Schwellenländern betroffen, womit weltwirtschaftliche Auswirkungen zumindest kalkuliert werden müssen. Nach einer geldpolitischen Straffung ist davon auszugehen, daß Anleger ihr Geld verstärkt aus den Schwellenländern abziehen, um es in den USA anzulegen.

Allgemein manövrierten sich die Zentralbanken weltweit in eine problematische Lage, indem sowohl eine dauerhafte Niedrigszinsphase, als aber auch nötige Zinserhöhungen ihre negativen Auswirkungen zur Folge haben könnten. Dies ist wohl der Fluch der bösen Tat des Aussitzens einer Finanzkrise. Verglichen mit der Geldpolitik der restlichen Notenbanken würde sich die FED mit einer Zinserhöhung gegen den Trend stellen, nachdem beispielsweise China erst kürzlich eine Zinssenkung vornahm und Mario Draghi den EZB-Geldhahn vermutlich sogar noch weiter öffnen wird, um willentlich die Inflation anzuheizen. Auch die BoJ betreibt eine nach wie vor ultralockere Geldpolitik. Die nächsten Sitzungen des für den Leitzins zuständigen US-Offenmarktausschusses finden im Dezember 2015 und dann wieder im März 2016 statt. Der Euro gab nach der FED-Mitteilung kräftig nach und fiel vorübergehend um fast zwei Cent auf 1,0895 Dollar.

Letzte Änderung am Donnerstag, 29 Oktober 2015 20:03
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