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Mit dem Geschick eines levantinischen Kaufmanns

Versucht sich Asker Sakinmaz umtriebig an einer FlexCom 2.0?

Freitag, 27 März 2015 22:13 geschrieben von  Johann W. Petersen
Geschäftsmann Asker Sakinmaz vor seinem roten Ferrari Geschäftsmann Asker Sakinmaz vor seinem roten Ferrari Quelle: DERFFLINGER

Amsterdam - Der Kaufmann Asker Sakinmaz galt neben Hasan Süslü lange Zeit als erfolgreicher Strahlemann der Vertriebsszene. Gerne ließ sich der stets wie aus dem Ei gepellte Geschäftsmann, über den es einst hieß, er habe „viele Firmen aus dem Nichts heraus zum Erfolg gebracht“, in großer Pose ablichten – wahlweise vor seinem Ferrari oder bei Motivationsveranstaltungen von FlexCom, für die er in der Türkei und in den Niederlanden das dicke Geschäft machen sollte. Zwischen ihn und seinen langjährigen Kompagnon Cengiz Ehliz passte kein Blatt Papier. So schien es jedenfalls. Doch vor einiger Zeit verabschiedete sich Asker Sakinmaz mit Pauken und Trompeten von FlexCom. Oder besser gesagt: Er wurde verabschiedet!

Bei Facebook stellte sich der vormalige Vice President der FlexCom International Holding AG (Schweiz) als Opfer dar und erhob schwere Vorwürfe. Sein „Abschiedsbrief“, an Cengiz Ehliz gerichtet, las sich in Auszügen folgendermaßen: „Du bist aus der Türkei entkommen wegen der kriminellen Dokumente, die eingereicht wurden. Ich habe 2,5 Jahre gearbeitet, Tag und Nacht. Ich habe 44.000 Menschen aus 21 Ländern reingebracht.“ Und weiter: „Ich habe die Fakten gesehen. Cengiz Ehliz ist der Gründer und besitzt 90 % des Systems. Aber er hat keine 10 % gearbeitet. Du versteckst die Wahrheit vor den Menschen. (…)."

Starker Tobak, doch eigentlich kann man da nur sagen: Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Denn wenn es eine unstete Persönlichkeit in der Welt des Network Marketings gibt, die die Arbeit gerne anderen überlässt und selber satte Festgehälter kassiert, dann ist es wohl – Asker Sakinmaz, so äußern sich zumindest Wegbegleiter innerhalb der FlexCom. Die ganze Laufbahn des türkischstämmigen Tausendsassas, der an der Technischen Universität Eindhoven in den Niederlanden sein Betriebswirtschaftsdiplom erwarb, besteht aus mehr oder minder kurzen Gastspielen bei unterschiedlichen Unternehmen.

Es scheint immer wieder nach dem gleichen Muster zu laufen: Sakinmaz, als Motivationscoach zweifelsohne ein Naturtalent, stellt sich selber als Top-Verkäufer dar, wirbt Leute aus seinen vorherigen Firmen ab, macht allen den Mund wässrig und verspricht den fetten Profit. Dadurch will er für sich selbst das Maximale herausholen. "Irgendwann merken die Unternehmen allerdings, dass er nur die anderen arbeiten lässt, während er selbst eine ruhige Kugel schiebt. In der Zwischenzeit hat er schon beim nächsten Vertrieb angeheuert, wo er die gleiche Nummer abzieht. Sein altes Team lässt er derweil hängen", so skizziert ein Beobachter den "levantinischen Geschäftsmann", wie er sagt.

Diese dubiose Masche, man könnte auch sagen: das „Asker-Modell“, fährt er nun schon seit über zehn Jahren. Angefangen hat alles mit seiner Tätigkeit bei dem US-amerikanischen Nahrungsergänzungshersteller UNICITY. Was die Amis allerdings nicht wussten: Der gewiefte Kaufmann hatte insgeheim bei einem schwedischen Vertrieb angeheuert, denn der zahlte ihm nicht nur Provisionen, sondern ein Festgehalt, mit dem er den Aufbau der Strukturen in der Türkei vorantreiben sollte. Jetzt war sich Asker Sakinmaz sicher, das ideale Unternehmen gefunden zu haben, denn bei UNICITY mit seinen Appetitzüglern, Hallo-Wach-Tees und Ballaststoffpräparaten lief es sowieso nicht so gut.

Der Aufbau in der Türkei war in vollem Gange, da entschied sich Sakinmaz für ein erneutes Gastspiel bei UNICITY. Dazwischen soll er noch ein bisschen Geld mit Goldsparplänen in der Edelmetallszene kassiert haben, denn auch dort hatte er für sich gute Rahmenbedingungen aushandeln können. Bald gab es wieder Unstimmigkeiten, weshalb er schnell zum Network-Marketing-Unternehmen PM International wechselte, denn hier lockte erneut ein Festeinkommen.

Doch schon nach wenigen Wochen zog es Asker Sakinmaz zur nächsten Einnahmequelle, dem Rabattsystem-Anbieter FlexCom/FlexKom. Und wie sollte es anders sein: Auch hier konnte er wieder ein Festeinkommen ergattern, weil er sich anbot, den Globus zu „erobern“. Zeitweise wurde er sogar als Geschäftsführer der Europa-Gesellschaft geführt. Mittlerweile hat auch FlexCom Abstand genommen. Man hört, dass er erneut seine eigene Strategie verfolgt und Mitarbeiter für andere Zwecke abgeworben haben soll. Die fristlose Kündigung war rasche Konsequenz.

Es sind bereits Gerüchte im Umlauf, nach denen durch ehemalige Mitarbeiter erste Klagen gegen ihn eingereicht worden sein sollen – wohlgemerkt gegen ihn persönlich und nicht gegen die Unternehmen, für die er tätig war. Doch man kann davon ausgehen, dass Asker Sakinmaz schon bald mit neuen Versprechen als Vertriebsheld durch die Lande ziehen wird. Garantiert werden auch dann wieder einige Leute seinen Schalmeienklängen folgen. Eine eigene Version einer FlexCom 2.0 möchte Asker Sakinmaz wohl in Frankreich, in den Niederlanden und anderswo gerne anschieben, so hört man. Doch wer garantiert ihm in diesem Fall das Fixgehalt?

Letzte Änderung am Montag, 30 März 2015 21:58
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