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Welcher Teufel hat die denn geritten?

Von FlexKom zu FlexCom - die gewagte Internationalisierung einer Marke unter CEO Rudolf Engelsberger

Mittwoch, 22 Oktober 2014 21:48 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
Von FlexKom zu FlexCom - die gewagte Internationalisierung einer Marke unter CEO Rudolf Engelsberger Quelle: FlexKom

Kreuzlingen - Bei der FlexCom International Holding (vormals FlexKom) handelt es sich um eine Aktiengesellschaft nach schweizerischem Recht aus Kreuzlingen im Kanton Thurgau mit dem Geschäftsmodell eines Rabattsystems, angereichert durch diverse Innovationen. Als die wesentlichen Elemente von FlexCom werden eine Kombination von Mobil-Commerce, weltweitem E-Commerce, Franchising und die Einbindung von stationärem Handel und Dienstleistern durch die FlexCom-Card angegeben. FlexCom verspricht vielfältige Kundenvorteile, wie direkte Sofort-Rabatte bei den FlexCom-Akzeptanzstellen, die beim Kauf der Ware/Dienstleistung auf die FlexApp (Smartphone) oder auf die FlexCard als Guthaben (FlexGold) gutgeschrieben werden. Die Kunden sollen so direkt bei ihren alltäglichen Einkäufen sparen bzw. ein Guthaben erwerben, welches für weitere Einkäufe bei anderen Akzeptanzstellen verwendet werden kann. Dieses Guthaben kann sich der Kunde jedoch auch in Geld oder Gold auszahlen lassen. Laut FlexCom ist eine spürbare Senkung der Lebenshaltungskosten zu erwarten. Darüber hinaus geht FlexCom durch sein Geschäftsmodell von einer Stärkung des regionalen Handels und Gewerbes aus.

Im Gespräch zeigt sich CEO Rudolf Engelsberger als offener Firmenlenker, der unkompliziert Einblick in die FlexCom-Welt gibt, und als Erstes mitteilt, daß die Nomenklatura in ihrer Schreibweise internationalisiert wurde. Künftig steht anstelle des der deutschen Orthographie entsprechenden „K“ das anglizistische „C“, wie bei „Communication“ im Firmennamen. Dies war ursprünglich zwar bereits von Anfang an so vorgesehen, jedoch mußten zuerst einige markenrechtliche Klärungen erfolgen. Die Umstellung erfolge gegenwärtig. Das FlexCom-Geschäftsmodell beruht neben Händlern und Dienstleistern ebenso auf der Akzeptanz beim Verbraucher, weshalb es nicht Wunder nimmt, daß das Unternehmen Mitglied bei der Europäischen Verbraucherberatung Ebcon ist, dessen Präsident Dr. Stefan Kletsch als externer Berater fungiert und schwerpunktmäßig für Sonderkonzepte mit Blick auf Unternehmensverbände und Vereine zuständig ist. Laut Engelsberger ist es ihm ein Anliegen, insbesondere dem Vereinswesen ein Angebot einer „win-win-Situation“ zu unterbreiten. FlexCom ist zwar keine Unternehmensneugründung, scheint sich, laut Engelsberger, jedoch gegenwärtig nicht allein wegen der Änderung der Schreibweise in einer äußerst innovativen Phase zu befinden, sondern auch im technischen Bereich.

FlexCom arbeitet mit einem sogenannten Cashback-System und beansprucht für sich als eines der Alleinstellungsmerkmale, nicht allein auf die Kundenbindung abzuzielen, wie es für einige vergleichbare Modelle der Fall ist, sondern insbesondere eine Neukundenakquise im Blick zu haben. Engelsberger betont zuvorderst die strategische Ausrichtung auf den KMU-Bereich angelegt zu haben. Man stelle gegenwärtig sogar Angebote seitens Großunternehmen zur Kooperation temporär zurück, um zuerst ein KMU-Netzwerk von Händlern und Dienstleistern aufzubauen, so Engelsberger. Anfangsverzögerungen bei der Freischaltung mancher Regionen sind nach den Worten des FlexCom-CEO zumeist darauf zurückzuführen, daß unternehmensseitig auf ein gesundes Verhältnis von Kunden und Händlern als FlexCom-Akzeptanzstellen geachtet würde, um nicht Erwartungshaltungen in das Projekt zu enttäuschen. Bezüglich der Händlerperspektive klärt Engelsberger auf, daß für die Akzeptanzstellen keine Lizenzkosten anfielen und für die Terminals ein Inverstorenmodell bestünde. Der Händler zahle nur etwas, wenn auch Einnahmen anfielen.

Auf die Kinderkrankheiten des FlexCom-Systems und diverse Gerüchte hinsichtlich technischer Mängel weist Engelsberger auf nicht allein auf FlexCom zu projizierende Anfangsprobleme technischer Neuerungen hin, die inzwischen ausgestanden seien. Grundsätzlich stelle im technischen Bereich von FlexCom das Datenmanagement eine große Herausforderung dar, da es zwei Aspekte erfolgreich umzusetzen gelte. Zum einen die Verarbeitung der erheblichen Datenmenge sowie auch die Gewährleistung einer nötigen Abwicklungsgeschwindigkeit. Das Arbeiten mit den QR-Codes sei hierfür bestens geeignet und biete den Vorteil einer besseren Gewährleistung einer Datensicherheit bezüglich personenbezogener Daten. Der CEO sieht die Unternehmensentwicklung von FlexCom im Wesentlichen im vorgesehenen Zeitplan, und was die ins Gespräch gekommenen Verzögerungen hinsichtlich technischer Umsetzungsfragen betrifft, hinge dies mit unternehmensgewollten systemischen Umstellungen von sehr innovativem Charakter zusammen, worüber Engelsberger zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht ins Detail gehen wollte. Diesbezüglich kündigte er jedoch eine öffentliche Präsentation im Rahmen einer Großveranstaltung am 17. Januar 2015 in der König-Pilsener Arena in Oberhausen an.

Auf mögliche strukturelle Veränderungen angefragt, räumt Engelsberger ein, daß der Integrationsprozeß der Einzelgesellschaften unter die FlexCom-Holding noch nicht vollständig abgeschlossen ist, aber bei allen sich vielleicht noch ergebenden Veränderungen man streng darauf achten möchte, sich nicht in verschachtelten Konstrukten zu verlieren, sondern eine überschaubare Struktur zu behalten. Auch Fragen zu kursierenden Kritiken weicht der CEO nicht aus und weist Unterstellungen nach einer Ähnlichkeit mit sogenannten „Schneeballsystemen“ als unbegründet zurück. Nur weil eine Unternehmung ein rasches Größenwachstum an den Tag legt, muß es sich nicht um ein Schneeballsystem handeln, stellt der CEO einen Vergleich mit Facebook an, das ja auch schnell gewachsen sei. Die gängigen Kriterien eines Schneeballsystems treffen, so Engelsberger, auf FlexCom nicht zu. Es gebe kein Produkt, das ein Mitarbeiter kaufen müßte sowie Vertriebsmitarbeiter auch nicht als Akzeptanzstelle zu fungieren hätten. Dies wäre zwar möglich, stelle aber keine Bedingung dar. Zudem bestünde theoretisch die Möglichkeit als Mitarbeiter, völlig unabhängig, ob weitere Vertriebsmitarbeiter ins Unternehmen geholt werden, höchste Positionen zu erreichen. Manche Kritiken vermutet Engelsberger möglicherweise durch problematische frühere Mitarbeiterverhältnisse verursacht, die, wie er allerdings glaubt, der Unternehmensvergangenheit angehören. Er weist in diesem Zusammenhang auf unternehmensinterne Ethikregeln hin. Gerichtsverfahren gegen FlexCom seien zumindest gegenwärtig keine anhängig.

Als FlexCom Beispielregion gilt für den CEO Slowenien, aber auch für Ungarn gibt er eine fortgeschrittene Entwicklung an, wo FlexCom seit Neuestem sogar über eine Genossenschaftskasse (vergleichbar dem Raiffeisensystem) verfügt. Ähnliche Projekte in anderen Länder und/oder eine Weiterentwicklung zum Bankenstatus schließt Engelsberger auf lange Sicht gesehen nicht aus. Das Gelingen dieses bedeutenden Schrittes in Ungarn führt Engelsberger auf das Gewinnen von - so wörtlich - „wuchtigen Personen“ zurück. Rudolf Engelsberger sagt, daß er großen Wert auf externen Sachverstand legt und FlexCom interessant für Investoren machen möchte.

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