www.derfflinger.de

Freigegeben in Wirtschaft

Quo vadis EU?

Was kommt schneller - Grexit oder Brexit?

Freitag, 29 Mai 2015 17:38 geschrieben von  Rüdiger Dietrich

Dresden - Im sächsischen Elbflorenz tagt inklusive des illustren Kreises von G 7 und Eurogruppe noch bis Sonntag die vormals als Troika bekannte Runde von Griechenlandgläubigern, konkret IWF, EZB und EU-Kommission, die nun als „Institutionen“ bezeichnet werden, um die weitere Kreditwürdigkeit Griechenlands - ungeachtet, ob es eine solche jemals besessen hat - zu beraten. Für Griechenland steht für den kommenden Monat Juni eine Kreditrückzahlung von 1,55 Mrd. € an den IWF an, 300 Mio. € davon werden bis zum 05.06. fällig, wobei fraglich ist, wie Athen dies stemmen will. Ebenso ist die Auszahlung noch möglicher Kredite in Höhe von  7,2 Mrd. € von einer einvernehmlichen Einigung aller drei Institutionen mit der griechischen Regierung bezüglich deren Reformpolitik abhängig. Am heutigen Freitag schließen die G 7-Vertreter ihren Teil der Beratungen ab, worüber Bundesfinanzminister Schäuble und Bundesbankpräsident Weidmann Bilanz ziehen werden. Zeitgleich befindet sich der wiedergewählte britische Premier David Cameron bei Kanzlerin Merkel in Berlin und ist bemüht, diese für seine EU-Reformpläne zu gewinnen, um einen Austritt seines Landes aus der EU im Zuge eines anstehenden Referendums abzuwenden.

Nachdem in den letzten Jahren der alsbald chronische Züge angenommenen Griechenlandkrise stets währungspolitische Durchhalteparolen zu vernehmen waren, darf man neuerdings seitens der IWF-Direktorin Christine Lagarde eine Erweiterung des bislang strukturell verfestigten Vorstellungsvermögens ausmachen, wodurch inzwischen auch die Möglichkeit eines Austritts Griechenlands aus der Eurozone erfaßt wird. Lagarde machte auch keinen Hehl daraus, daß sie eine umfaßende Lösung innerhalb der nächsten Tag für unwahrscheinlich hält, was als Andeutung verstanden werden könnte, zumindest eine unmittelbare Auszahlung der Kredite auszuschließen. Unzweifelhaft dürfte jedoch sein, daß es hochgradig realitätsfern wäre, angesichts dieser Bedingungen den sogenannten Grexit bezüglich der Eurozone weiterhin auszuschließen, während für Großbritannien bereits ein Referendum zur EU-Mitgliedschaft feststeht.

Zum Untergang des Abendlandes braucht dies allerdings nicht hochstilisiert zu werden – nicht diese Frage! Vermutlich wäre eine durch Währungsabwertung in Griechenland profitierende deutsche Tourismusbranche in der Lage, die Exportauswirkungen bezüglich des 38.-platzierten auf der Exportliste zu kompensieren. Weniger Sorgen scheint sich schwer nachvollziehbar das politische Establishment um die Entwicklung in Großbritannien zu machen, immerhin der drittgrößte EU-Nettozahler. Während Cameron um die Rückübertragung nationaler Befugnisse und Reformen bei der Einwanderungspolitik kämpft, haben Frankreich und Deutschland ein Papier ausgearbeitet, das auf eine noch weitere Integration der Euroländer abzielt.

Interessant ist der Zwischenstand eines aktuellen Spiegel-Online-Votings mit immerhin mehr als 9.500 Teilnehmern, demgemäß 37,67 % Camerons Reformabsichten zustimmen und 11,08 % sich sogar für einen sofortigen Austritt Deutschlands aus der EU aussprachen.

Letzte Änderung am Freitag, 29 Mai 2015 17:41
Artikel bewerten
(2 Stimmen)