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Industrie 4.0:

Welt-Risiko-Bericht und Schattenseiten der Industrie 4.0

Dienstag, 19 Januar 2016 23:17 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
Welt-Risiko-Bericht und Schattenseiten der Industrie 4.0 Welt-Risiko-Bericht und Schattenseiten der Industrie 4.0

Berlin – Blinde Fortschrittsgläubigkeit muss nicht zwingend ein Kennzeichen von besonderer Weitsichtigkeit sein, und so mancher Fortschritt voreilig in Marsch gesetzt, lässt die Frage nach dem gesellschaftlichen Vorteil unbeantwortet. Aktuell wäre diese Debatte aus Sicht der arbeitsmarktrelevanten Technikfolgenabschätzung im Zusammenhang mit der unter Industrie 4.0 bezeichneten Digitalisierung der Industrielandschaft angebracht. Immerhin soll laut einer neuen Studie besagte Digitalisierungsoffensive in den kommenden fünf Jahren eine Vielzahl an Büro- und Verwaltungsstellen obsolet machen. Die Rede ist von etwa fünf bis sieben Millionen Arbeitsplätzen weltweit, wobei es vor allem in der deutschen Arbeitswelt zu erheblichen Umbrüchen kommen soll. Diesem Befund liegt eine noch unveröffentlichte Untersuchung des Weltwirtschaftsforums zugrunde, auf die sich die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung berief.

Die Prognose beruht demnach auf einer Umfrage unter den Top-Managern der 350 größten Konzerne der Welt. Gefährdet seien die Angestellten mit „weißem Kragen“, heißt es demnach in der Untersuchung. Dem gegenüber stehen nur zwei Millionen neue Stellen, die für Spezialisten im Bereich Computer und Technik bis zum Jahr 2020 neu geschaffen werden sollen. Frauen seien laut den Autoren der Studie sehr viel mehr bedroht vom Verlust des Arbeitsplatzes als Männer, was mit der unterschiedlichen Ausbildung der Geschlechter begründet wird. Im Vorteil sind hingegen alle naturwissenschaftlichen und IT-Berufe, die sogenannten MINT-Fächer, in denen der Frauenanteil noch immer niedrig ist. Besonders bedenklich stimmt die Einschätzung in der Studie, dass seit dem elfjährigen Bestehen noch nie eine vergleichbar breit gefächerte Risikolandschaft bestanden hätte. Dies wird nicht allein an der Vielzahl an Risikofaktoren festgemacht, sondern vor allem an deren wechselwirksamen Verbundenheit untereinander, die sich widrigenfalls problemverschärfend erweisen kann.

Im Welt-Risiko-Bericht warnten die Manager und Wirtschaftswissenschaftler zudem vor einer weltweiten Gefährdung der Stabilität. Neben einem weiteren Flüchtlingszustrom, den die befragten Manager und Wirtschaftswissenschaftler nach wie vor als wahrscheinlichstes Risiko definieren, besteht zudem Sorge aufgrund wachsender Einkommensunterschiede und vor Cyberangriffen. John Drzik vom Industrieversicherungsmakler Marsh äußerte sich zur Lage wie folgt: „Durch Ereignisse wie die Flüchtlingskrise und Terroranschläge in Europa ist die globale politische Instabilität so hoch wie seit dem Kalten Krieg nicht mehr.“ Am folgenschwersten wird die Gefahr eines Versagens in der Klimapolitik eingeschätzt. Im Großen und Ganzen ergibt eine ganzheitliche Lageanalyse, dass bei aller Fortschrittlichkeit technikaffiner Industriestaaten dennoch die Ausprägung kollektiver Sozialtechniken nicht außer Acht gelassen werden dürfen, sollen Kollateralschäden vermieden werden.

Letzte Änderung am Mittwoch, 20 Januar 2016 05:39
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