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Talfahrt gegenüber Euro und US-Dollar

Wer steckt hinter dem Rubel-Absturz?

Montag, 20 Oktober 2014 03:32 geschrieben von  Hans Driesch
Rubel-Absturz? Rubel-Absturz? Quelle: wikipedia.org

Magdeburg - Der Absturz des russischen Rubels hat sich auch in der vergangenen Woche ungebremst fortgesetzt. Am vergangenen Donnerstag erreichte der Rubel sowohl zum Euro als auch zum Dollar einen neuen historischen Tiefststand, obwohl die russische Zentralbank versucht, über Repo-Auktionen ausländischer Währungen den Rubelkurs zu stützen.

Insgesamt hat der Rubel im laufenden Jahr – belastet von sinkenden Rohstoffpreisen und Wirtschaftssanktionen – damit schon 20 Prozent zum US-Dollar abgewertet. Regierungsnahe russische Kreise führen diese Entwicklung auf eine gezielte Strategie der Vereinigten Staaten zurück. Das kreml-nahe „Russische Institut für Strategische Studien“ (RISS) stellte in der vergangenen Woche eine Studie vor, in der die Kombination aus Sanktionen, sinkendem Ölpreis und Rubel-Abwertung als Instrumente eines großangelegten Plans der USA zum Sturz Wladimir Putins bezeichnet werden. Außerdem heißt es in der Studie weiter, dass es wie schon in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts Abmachungen zwischen den USA und Saudi-Arabien gebe, um den Ölpreis durch Überproduktion zu drücken.

Der Ukraine-Konflikt sei durch einen westlich finanzierten Staatsstreich in Kiew provoziert worden, um eine Annäherung zwischen Russland und China zu torpedieren. Diesen „faktisch gegen uns erklärten Wirtschaftskrieg“ könne Russland nach Auffassung der Autoren nur gewinnen, indem es auf eine Art Kriegswirtschaft mit staatlicher Kontrolle über Lebensmittelpreise und die Kontrolle des Rubel-Kurses sowie höheren Sozialausgaben für ärmere Bevölkerungsschichten umstelle. Die Studie zeigt, wie ernst man mittlerweile im Umfeld Putins die Wirtschaftssanktionen des Westens und ihre Folgen nimmt. Schon Anfang September dieses Jahres hatte die größte Investmentbank der Welt, JP Morgan, in einer dramatischen Prognose einen Absturz des russischen Aktienmarktes um weitere 50 Prozent vorhergesagt und davon gesprochen, dass den russischen Märkten ein „Lehman-Moment“ bevorstehe. Der Vergleich mit der schwersten Finanzkrise des 21. Jahrhunderts sowie die drastische Einschätzung von JP Morgan, dass die Risiken für Aktien in Russland „unbegrenzt“ seien, darf als äußerst ungewöhnlich gelten. Klar ist allerdings eines: Wenn es tatsächlich zu einem crashartigen Zusammenbruch der russischen Wirtschaft kommt, dann wird diese die europäische mit in den Abgrund ziehen und selbst Wachstumsraten von um die ein Prozent, wie sie bislang noch für Deutschland für das kommende Jahr gestellt werden, wären unter solchen Voraussetzungen schlicht unerreichbar.

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