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Was ist das Geschäftsmodell?

Wieviel Wee und Cengiz Ehliz stecken in der Fintech Payment Solutions AG des Achim Pfeffer?

Sonntag, 09 Mai 2021 23:07 geschrieben von 
Tilmann Meuser und Cengiz Ehliz zelebrierten die Marke Wee sehr lautstark Tilmann Meuser und Cengiz Ehliz zelebrierten die Marke Wee sehr lautstark Quelle: Swiss Fintec Invest AG

München – Swiss Fintec Invest AG hieß zuletzt die Wee.comAG des Visionärs Cengiz Ehliz. Und Fintech Payment Solutions AG heißt eine werbewirksam inszenierte neue Gesellschaft in München, die offenbar direkt oder indirekt den Geschäften der Wee um Cengiz Ehliz, Michael Scheibe, Mirko Scheffler zuzurechnen sind. Der Redaktion von DERFFLINGER wurden einige Hinweise zugespielt, denen wir in den kommenden Wochen nachkommen wollen.

Doch nun mal zuerst zur Fintech Payment Solutions AG um Vorstand Achim Pfeffer: “Finanztechnologie“, auch „FinTech“, ist ein Sammelbegriff für technologische Finanzinnovationen, die zu neuen Finanzinstrumenten und Finanzdienstleistungen führen. Im engeren Sinne wird „FinTech“ häufig mit den Unternehmen gleichgesetzt, die technologische Finanzinnovationen erarbeiten und damit die Nutzung des Geldsystems revolutionieren.

Verbraucherschützer mahnen schon seit Jahren mehr Verbraucherschutz im Finanztechnologie-Sektor an. Einerseits warnen sie vor unseriösen Anbietern von digitalen Zahlungssystemen; andererseits fordern sie mehr Transparenz, Sicherheit und Benutzerfreundlichkeit bei der Rechnungsabwicklung von Online-Bezahldiensten. Nicht jede angebotene Bezahlart bietet nämlich genügend Käuferschutz. Darauf wies im letzten Jahr angesichts des Corona-bedingten Aufschwungs des Online-Shoppings eindringlich die Verbraucherzentrale Hamburg hin und riet bei Online-Bezahldiensten wie PayPal oder Klarna zu großer Vorsicht. Die Rechnungsabwicklung über Drittanbieter sei oft viel komplizierter als gedacht. Die Hamburger Verbraucherzentrale beschrieb deshalb am 11. Dezember 2020 auf ihrer Internetseite die unerwarteten Folgen. Je mehr Akteure im Kauf- und Zahlungsprozess beteiligt seien, desto schneller komme es zu komplizierten Unstimmigkeiten. „Aus den Nutzungsbedingungen der Bezahldienste ist häufig nicht klar zu ersehen, welche Bedingungen für die einzelnen Zahlungsmethoden gelten. Sie wissen also gar nicht genau, auf was Sie sich einlassen“, erläuterten die Verbraucherschützer. Internethändler seien verpflichtet, Kunden eine gängige und zumutbare kostenfreie Bezahlmöglichkeit zur Verfügung zu stellen. Einige Händler böten jedoch nur die Sofortüberweisung als unentgeltliches Zahlungsmittel an. Das hält die Verbraucherzentrale Hamburg für unzulässig, denn bei dieser Zahlungsart würden die Kunden gezwungen, sensible Daten an einen externen Dienstleister weiterzugeben. In diesem Zusammenhang verwiesen die Verbraucherschützer auf ein Urteil des Bundesgerichtshofes vom 18. Juli 2017 (Az. KZR 39/16), das ihre Auffassung stützt. Auf den Bereich des technologiegetriebenen Zahlungsverkehrs, der auch als PayTech bezeichnet wird, haben sie aus gutem Grund ein wachsames Auge.

Mit digitalen Bezahlsystemen will auch die in München ansässige Fintech Payment Solutions AG Geld verdienen. Das Unternehmen entwickelt nach eigenen Angaben Zahlungssysteme und beteiligt sich an Unternehmen, die digitale Zahlungssysteme entwickeln und betreiben. Dem Aufsichtsrat gehören Dr. Oliver Maaß (Vorsitzender), Alexander Schwarz (stellvertretender Vorsitzender) sowie Gregor Berke an; als Vorstand fungiert Achim Pfeffer. Fintech Payment Solutions gibt an, Wagniskapital für Start-ups und FinTech-Unternehmen in der Expansionsphase bereitzustellen und diese Investments auch langfristig zu begleiten. Der selbsternannte Investor für Beteiligungen in den Bereichen Financial Payment Technologies und Blockchain hat hochtrabende Ziele. So will man die Fintech Payment Solutions AG als „einen der führenden Investoren in Europa in diesem Segment positionieren“. Für diesen hohen Anspruch ist die Internetseite des ominösen FinTechs aber erstaunlich inhaltsarm. Mit wenigen Worten wird das angepeilte Geschäftsfeld umrissen, ohne dass auf konkrete wirtschaftliche Erfolge, Strategien oder Referenzen verwiesen wird. Die Internetseite lässt einen deshalb ziemlich ratlos und uninformiert zurück. Man hat potenziellen Kunden und Geschäftspartnern offenbar nur wenig mitzuteilen. Bei Facebook findet man nicht einmal eine Firmenseite der Fintech Payment Solutions AG. Ein Unternehmen, das auf dem Zukunftsmarkt digitaler Bezahlsysteme eine führende Rolle spielen will, ist nicht einmal in den sozialen Medien präsent?

Stattdessen werden auf der Internetseite Karrieremöglichkeiten im eigenen Unternehmen angepriesen und reihenweise kompetente Mitarbeiter gesucht. Fehlen diese bislang in dem Unternehmen? Oder soll mit den Stellenausschreibungen suggeriert werden, dass man sich aufgrund des Markterfolges auf einem solchen Wachstumskurs befindet, dass händeringend nach neuem Personal gefahndet wird? So wird angeblich ein Backend-Developer Java, ein Backend-Developer TS, ein Devops-Engineer, ein Frontend-Developer TS, ein Frontend-Developer ReactNative, ein Test Engineer, ein Produkt Manager Digital und jemand für das Produktmanagement gesucht. Ob es diesen Personalbedarf wirklich gibt oder ob mit den Stellenangeboten nur unternehmerischer Erfolg vorgegaukelt werden soll, ist schwer zu sagen.

Wie wenig man für die Richtigkeit und Zuverlässigkeit der gegebenen Informationen in Haftung genommen will, zeigen die umfangreichen Aussagen zum Haftungsausschluss. So heißt es auf der unternehmenseigenen Internetseite: „Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen und Daten ist ausgeschlossen. Dies gilt ebenso für alle anderen Websites, auf die mittels eines Hyperlinks verwiesen wird. Die Fintech Payment Solutions AG ist für den Inhalt solcher Websites, die mittels einer solchen Verbindung erreicht werden, ebenfalls nicht verantwortlich. Die Fintech Payment Solutions AG behält sich vor, ohne Ankündigung Änderungen oder Ergänzungen der bereitgestellten Informationen oder Daten vorzunehmen.“ Aufhorchen lassen sollte potenzielle Kunden und Geschäftspartner diese Warnung: „Die Fintech Payment Solutions AG kann nicht garantieren, dass online abrufbare Prospekte, Formulare oder sonstige Dokumente nach Inhalt und Form der gedruckt veröffentlichten Form entsprechen. Im Zweifel ist allein die in gedruckter Form veröffentlichte Fassung verbindlich.“ Die angesprochene Unterschiedlichkeit von Anlageprospekten und anderen Dokumenten macht es noch schwieriger, sich ein Bild über Chancen und Risiken der Investmentangebote zu machen, weil erst die Online-Aussagen mit denen der gedruckten Papierfassung verglichen werden müssen. Ob diese Verunklarung, die für Kunden und Geschäftspartner mit einem erhöhten Recherche- und Vergleichsaufwand verbunden ist, so gewollt ist?

Achim Pfeffer, Vorstand der Fintech Payment Solutions AG, philosophiert lieber über die Abschaffung des Bargeldes: „Die FinTech-Branche befindet sich im Aufbruch mit mobilen Bezahllösungen, und das vollständig digitalisierte Finanzsystem ist in der Entstehungsphase. Die aktuellen Auswirkungen von COVID-19 beschleunigen die sinkende Nutzung von Bargeld. Ein Grund für die Beschleunigung des Trends durch COVID-19 ist zum Beispiel die pandemiebedingte Aufforderung an Kassen, kontaktlos per Karte zu bezahlen.“ Welche Rolle das Münchner Unternehmen konkret bei der Forcierung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs spielen will, bleibt so nebulös wie vieles andere.

Letzte Änderung am Montag, 10 Mai 2021 09:28
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