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Bundesamt für Statistik:

Wirtschaftsleistung differenziert betrachten!

Mittwoch, 25 November 2015 00:54 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
Wirtschaftsleistung differenziert betrachten! Quelle: destatis.de

Wiesbaden - Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden veröffentlichte in dieser Woche, in der auch im Deutschen Bundestag die Etatberatungen der Ressorts stattfinden, die Wirtschaftsdaten zum dritten Quartal dieses Jahres. In auffällig lobenden Worten ergehen sich darauf berufend die namhaften Medien in ihrer Berichterstattung. Zwar ist es zutreffend, dass die Zahlen im Vergleich zu manch anderen Staaten und auch im Vergleich zu den Vorjahren ein positives Bild abgeben, doch sei begründet sowohl vor einer allzu selektiven Sichtweise, als auch einer zu sedativen Interpretation gewarnt. Schließlich ist nicht zu vergessen, von welcher gedämpften Ausgangsbasis bezüglich der vorangegangenen Vergleichsjahre aufgrund des rezessiven Einbruchs nach dem ersten Hoch der Finanzkrise ausgegangen wird, sowie darüber hinaus der statistische Vergleich einen zeitlichen Blick zurück darstellt, der nicht über potentielle Entwicklungsrisiken in der unmittelbaren Zukunft hinwegtäuschen darf. Von daher darf auch die Berichterstattung nicht ausschließlich positive Momente herausstellen.

Für gewöhnlich beschreibt das Bundesamt für Statistik in Form von Quartals- und Vorjahresvergleichen. Aus Vierteljahressicht kamen im dritten Quartal 2015 preis-, saison- und kalenderbereinigt die positiven Impulse der sich gerne als Exportchampion feiernden Wirtschaftslokomotive hauptsächlich vom inländischen Konsum, sowohl hinsichtlich der privaten, als auch der staatlichen Konsumausgaben. Dabei legten letztere mit einem Plus von 1,3 % gegenüber den privaten mit 0,6 % stärker zu. Dagegen waren die Anlageinvestitionen insgesamt leicht rückläufig: In Ausrüstungen – darunter fallen hauptsächlich Maschinen und Geräte sowie Fahrzeuge – wurden 0,8% weniger investiert als im Vorquartal und auch die Bauinvestitionen gingen um 0,3 % zurück. Der Außenhandel bremste die Entwicklung und schlug mit einem negativen Effekt des Außenbeitrags, sprich der Differenz aus Exporten und Importen, auf das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von Minus 0,4 Prozentpunkten durch. Im dritten Quartal 2015 wurde im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 14,5 Mrd. € mehr Importiert als 2014.

Im Vorjahresvergleich zeigt sich anhand einer ersten vorläufigen Berechnung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit, dass die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität gemessen je Erwerbstätigenstunde im dritten Quartal 2015 um 0,7% höher lag. Während in den Wohnungsbau mehr investiert wurde als im dritten Quartal 2014, entwickelte sich der gewerbliche Bau schwächer als im Vorjahr. Rückgänge verzeichnete man in den Sektoren Land- und Forstwirtschaft, Fischerei (–2,7%) sowie bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistern (–2,0%). Mit Blick auf das Niedrigzinsumfeld ist die Entwicklung der Sparquote der privaten Haushalte im dritten Quartal interessant, für den sich ein vorläufiger Wert von 8,1%; das sind 0,1 Prozentpunkte mehr als ein Jahr zuvor errechnet wurde. - Die Momentaufnahme mag zugegeben nicht besorgniserregend erscheinen, allerdings könnten neue Krisenszenarien sehr schnell zu völlig anderen Zahlen führen, worauf hinzuweisen sich für eine seriöse Berichterstattung geziemt.

Letzte Änderung am Mittwoch, 25 November 2015 00:57
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