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Arbeitsmarkt

Zeigen Asylanten wenig Interesse an Ausbildung?

Dienstag, 12 Januar 2016 01:51 geschrieben von  Susanne Hagel
Arbeitsmarkt Arbeitsmarkt Bild: PIXABAY.COM

Berlin - Während die Wirtschaft sich von der nicht abreißenden Flut an einreisenden Asylbewerbern wenigstens erhofft, den Fachkräftemangel durch Ausbildung junger Asylanten beheben zu können, haben diese offenbar andere Pläne: Nicht einmal ein Viertel der arbeitsberechtigten Asylanten zeigt Interesse an einer Lehrstelle.

Den Asylanten sei der hohe Stellenwert einer beruflichen Ausbildung in unserem Land noch „nicht bewusst“, erklärt Raimund Becker, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit. Bisher werde das von den arbeitsberechtigten Ausländern „noch nicht richtig eingeschätzt“.

Ähnliches weiß der Vorsitzende der Regionaldirektion der Arbeitsagenturen in Baden-Württemberg, Christian Rauch, zu berichten. Nur rund zwanzig Prozent der Asylbewerber, die eine Arbeitsberechtigung haben, ließen sich von den Vorteilen einer Ausbildung überzeugen. Diejenigen, die arbeiten wollen, würden lieber Arbeitsstellen im Reinigungs-, Hotel- oder Gaststättengewerbe annehmen. Rauch macht die geringere Vergütung einer Lehrstelle für diesen Sachverhalt verantwortlich: Während die Ausländer in den obengenannten Jobs zwischen 1.400 und dreitausend Euro brutto verdienten, erhielten Auszubildende häufig nur etwa sechshundert Euro monatlich. Dass sie mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung später in der Regel besser verdienen werden als ungelernt, überzeuge die wenigsten. Hier fehle es an Vorbildern, so Rauch.

Becker will deshalb die Beratung intensivieren, um potenziellen Fachkräften eine berufsbegleitende Qualifizierung nahezubringen. Zudem müssten die Berater in den Arbeitsagenturen darüber aufklären, dass es die Möglichkeit gibt, staatliche Beihilfen zu beantragen, sollte das Lehrlingsgehalt nicht zum Leben ausreichen.

„Gut ausgebildete Fachkräfte werden selten arbeitslos und haben deutlich bessere Verdienstaussichten“, betonte auch der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, Eric Schweitzer. Diese Chancen müsse man den Asylanten deshalb frühzeitig klarmachen. Ebenso sieht das der Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer: „Die Helferjobs, die bringen Flüchtlinge nicht weiter. Wir brauchen ja nicht Hunderttausende Schubkarrenschieber, wir brauchen qualifizierte Fachkräfte und das in einer sehr, sehr großen Zahl.“

Die Zahl der für den deutschen Arbeitsmarkt geeigneten Asylanten ist ohnehin nur gering: Die meisten einreisenden Ausländer sprechen weder Deutsch, noch sind sie gut qualifiziert. So ergab eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im November 2015, dass mindestens 87 Prozent der Asylbewerber keine Berufsausbildung vorweisen kann. Oftmals hätten diese gar nur eine Grundschulausbildung erhalten. Wie der Vorsitzende des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, außerdem erklärte, waren in der Vergangenheit durchschnittlich neunzig Prozent aller Asylanten in den ersten zwei Jahren nach ihrer Ankunft hierzulande arbeitslos. Auch nach fünf Jahren betrug die Zahl der Arbeitslosen unter ihnen noch fünfzig Prozent. Das IAB erklärte, im Schnitt vergingen rund dreizehn Jahre ehe ein erwerbsfähiger Asylant die gleiche Beschäftigungsquote erreicht wie andere Einwanderer.

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