www.derfflinger.de

Freigegeben in Wirtschaft

Konjunktur in Gefahr?

ZEW-Barometer bricht bedenklich stark ein

Mittwoch, 13 August 2014 17:17 geschrieben von  Torsten Müller
Börse Frankfurt Börse Frankfurt Quelle: deutsche-boerse.com

Frankfurt am Main - Die Prognosen der Wirtschaftsinstitute und vieler Börsenanalysten verdunkeln sich zunehmend. Auch der deutsche Aktienindex DAX hat dies mit verlustreichen Wochen bereits zu spüren bekommen. Die Anleger schauen immer verunsicherter in die nahe Zukunft.

Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hat seine Konjunkturerwartungen nun spürbar nach unten geschraubt. Vor allem wegen der aktuell sehr zahlreichen internationalen Konflikte, aber auch wegen der Sanktionen gegen Russland seien die ökonomischen Prognosen deutlich nach unten zu korrigieren. Der Konjunkturindikator des ZEW wurde daher im Vergleich zum Vormonat 18,5 Punkte auf 8,6 Zähler gesenkt. Damit musste der achte Rückgang in Folge und der stärkste Einbruch seit Juni 2012 vermeldet werden.

Die Volkswirte der Banken haben im Schnitt nur mit einem Abschmelzen auf 17,0 Punkte gerechnet. Konkret war vom ZEW zu hören: „Der Rückgang der Konjunkturerwartungen dürfte vor allem damit zusammenhängen, dass die anhaltenden geopolitischen Spannungen mittlerweile spürbare Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft zeigen." Besonders die Ukraine-Krise und die damit verbundenen politischen und wirtschaftlichen Konsequenzen werden als Ursachen genannt. Als Folge werden sinkende Investitionen und damit ein merklich geringeres Wirtschaftswachstum befürchtet.

Die ZEW-Zahlen sind nur eine weitere von mehreren Kennziffern, die darauf schließen lassen, dass die von der Bundesregierung beschönigte Wirtschaftslage in Deutschland deutlich kritischer zu bewerten ist. Auch die Auftragseingänge sowie die Produktion der Industrie waren zuletzt signifikant zurückgegangen. Für zahlreiche Volkswirte ist nicht ausgeschlossen, dass sich die deutsche Wirtschaftsleistung gar negativ entwickelt, was dann auch direkte Auswirkungen auf den hiesigen Arbeitsmarkt haben würde.

Hinzu kommt, dass auch die Konjunktur in den anderen Staaten der Euro-Zone nicht richtig an Fahrt gewinnt. Selbst aus dem sonst so um Optimismus bemühten Bundeswirtschaftsministerium sind skeptische Töne zu vernehmen: „Insbesondere der Rußland-Ukraine-Konflikt, aber auch die Entwicklungen im Nahen Osten führten zu einer zunehmenden Verunsicherung der Marktteilnehmer und damit auch zur Zurückhaltung bei unternehmerischen Entscheidungen."

Mit dem Geschäftsklimaindex des ifo-Instituts und dem Stimmungsbarometer der Einkaufsmanager werden in den kommenden Wochen zwei weitere Kennziffern erwartet, die Aufschluss über die weitere wirtschaftliche Entwicklung geben dürften.

Die Bundesregierung wird sich bald vielleicht nicht mehr so viel Gedanken um die Förderung fremder Volkswirtschaften machen, sondern sich wieder mehr auf ihre eigentliche Aufgabe konzentrieren müssen.

Artikel bewerten
(5 Stimmen)