www.derfflinger.de

Freigegeben in Wirtschaft

Finanzierungszugang – Versagt der Basler Bankenaufsichtsausschuß?

Zugang zu Investitionskrediten wird schwerer!

Dienstag, 25 August 2015 17:12 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
DIHK | Deutscher Industrie- und Handelskammertag e.V. DIHK | Deutscher Industrie- und Handelskammertag e.V. Quelle: DIHK

Frankfurt am Main - Laut einer aktuellen DIHK-Umfrage zeichnet sich im vergleichsweise noch komfortablen Finanzierungsumfeld in Deutschland bei näherer Betrachtung ein zunehmendes Problem ausgerechnet bei den volkswirtschaftlich bedeutsamen Investitionskrediten ab. Wenngleich auch die EZB-Geldpolitik abgesehen ihres immanenten Risikos krisenauslösender Vermögenspreisblasen grundsätzlich zu einer Erleichterung der Kreditvergabe beitragen kann, bestehen dennoch eine Reihe von Hindernissen, welche die Investitionstätigkeit hemmen. Zwar stieg die Nachfrage nach Unternehmenskrediten im ersten Quartal 2015 erstmals seit längerer Zeit wieder an, jedoch ein relevanter Teil dieses Anstiegs ist nach Angaben der Bundesbank aber auf die Finanzierung von M&A-Transaktionen und nicht auf neue Investitionen auf Betriebsebene zurückzuführen. Und trotz eines, laut Jahresabschlußstatistik, Anstiegs der  durchschnittlichen Eigenkapitalquote von 2002 bis 2012 von 22,4 % auf 28,0 %, stellt nach wie vor der Eigenfinanzierungsanteil für etwa ein Drittel der Unternehmen ein Hindernis beim Kreditzugang dar. Bürokratische Formalismen, wie beispielsweise Dokumentationspflichten, werden von 17 % der Unternehmen als Kredithindernis angeführt, womit diese Kategorie einen ähnlichen Stellenwert wie der Zins einnimmt.

Erstmals seit 2009 verzeichnet der DIHK in seiner Umfrage eine Verschiebung größerer Schwierigkeiten bezüglich des Erhalts von Investitionskrediten gegenüber Betriebsmittelfinanzierungen. Diese Umkehrung überrascht insofern, daß Investitionskredite häufig eine günstigere Risikosituation vorweisen, da sie oftmals mit dem finanzierten Gut selbst zu besichern sind. Allerdings sind Investitionskredite überwiegend langfristiger Natur und verschiedene Regulierungsmaßnahmen der letzten Jahre belasten dezidiert die langfristige, für die Kreditinstitute vermeintlich mit zu großen Zinsänderungsrisiken behaftete Kreditvergabe. Weitergehende Pläne des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht, für Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch eine zusätzliche Eigenkapitalunterlegung zu verlangen, drohen gerade die in Deutschland übliche und für die Planungssicherheit der Unternehmen wichtige Vergabe von langfristigen Festzinskrediten zusätzlich zu bestrafen.

Eine erneute Zunahme des Abstands zwischen Groß- und Kleinunternehmen zeigt, daß der nach Basel III angewandte KMU-Gewichtungsfaktor zwar nicht ausreicht, eine Benachteiligung gegenüber großen Unternehmensstrukturen abzuwenden, jedoch, um einer Problemverschärfung zu verhindern, der Überprüfung im kommenden Jahr keinesfalls zum Opfer fallen sollte. Zu einer weiteren Verschärfung der Größenunterschiede könnten hingegen neue Pläne des Baseler Ausschusses im Rahmen der beabsichtigten grundlegenden Revision des bankenaufsichtlichen Regelwerks führen, wonach gemäß eines neugefaßten Kreditrisiko-Standardansatzes kleinere Unternehmen allein schon deshalb pauschal als riskanter eingestuft werden sollen, weil sie weniger Umsatz machen. Zudem führt der DIHK auch eine Reihe regulatorischer Hindernisse an, die einen defizitären Finanzierungszugang für auf Innovationsprozesse ausgerichtete Forschungs- und Entwicklungsdienstleister verschulden. - Man kann also nur hoffen, daß die Politik vor lauter Euro-Rettung gewisse volkswirtschaftlich nicht minder bedeutsame Handlungsbedarfe versäumt…

Artikel bewerten
(2 Stimmen)
Schlagwörter: